
Im Gegensatz zu vielen westlichen Staaten hat Südkorea im Kampf gegen das neuartige Coronavirus die Wirtschaft und das öffentliche Leben nie weitgehend stillgelegt. Mit Massentests und einer strikten Nachverfolgung der Infektionsketten geht die Regierung gegen die ansteckende Krankheit vor. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, ihre sozialen Kontakte zu verringern. Ausgangssperren oder generelle Schließungen von Geschäften gab es aber nicht.
Die Erfolge dieser Politik sind sichtbar. In den vergangenen Tagen lag die Zahl der Neuinfektion bei weniger als 20 am Tag. Mit 10.674 Infizierten und 236 Toten scheint das Land die Pandemie weit besser hinter sich zu lassen als viele andere Staaten. In der vergangenen Woche wählte das Land ohne große Einschränkungen sogar ein neues Parlament.
Die Regierung lässt den Schutzschild aber noch nicht fallen. Sie will ihre Politik der Vermeidung sozialer Kontakte bis zum 5. Mai beibehalten, hat die Auflagen jetzt aber gelockert. Ende März hatte die Regierung eine dringende Empfehlung verordnet, wonach religiöse Einrichtungen, private Paukschulen, Sportstätten und Nachtklubs schließen sollten. Diese hatten sich als besonders anfällig als Brutherde für das Virus gezeigt.
Gelockerte Empfehlungen
Diese strenge Empfehlung wurde nun gelockert. Die Institutionen können seit diesem Montag wieder öffnen, solange sie strikte Desinfektionsregeln beachten. Erwartet wird nun, dass die südkoreanische Fußball- und Baseball-Ligen vorerst ohne Zuschauer verspätet in die neue Saison starten. Auch die Hauptstadt Seoul, die am 8. April die Unterhaltungswirtschaft in der Metropole geschlossen hatte, hat das Verbot am Montag aufgehoben. Die Schulen in Südkorea, die vielfach auf Online-Unterricht umgestellt haben, bleiben aber weiter geschlossen.
Die Politik der sozialen Distanz hatte in Südkorea dazu geführt, dass weniger Menschen unterwegs waren. Die Straßen seien aber nur weniger belebt und nie menschenleer gewesen, berichten Einwohner von Seoul. Geschäfte und Kaufhäuser blieben offen, es sei denn, dass sie aus eigener Initiative oder mangels Kunden Öffnungszeiten verkürzten oder ganz schlossen. Dazu gehörte in Seoul das einzige Ladengeschäft des amerikanischen Elektronikunternehmens Apple. Doch am Wochenende öffnete Apple das Geschäft wieder als einzigen Laden außerhalb Chinas. Kunden standen mit zwei Metern Abstand Schlange. Das Geschäft betreten durfte nur, wer eine Gesichtsmaske trug und sich die Temperatur nehmen ließ. Solche Regeln haben viele Geschäfte und Restaurants in Südkorea aufgestellt.
