
Wenn es um das Geschäft mit Investmentfonds geht, wird gern zweierlei unterschieden: aktive gemanagte Fonds, bei denen ein oder mehrere Vermögensverwalter Anlageentscheidungen treffen, und börsengehandelte passive Fonds (ETF), die einen vorgegebenen Index nachbauen. Am besten wird dann noch unterschieden zwischen Gesellschaften, die das eine, und Gesellschaften, die das andere tun.
Wie alle einfachen Unterscheidungen ist auch diese so hilfreich wie unscharf. Die Gesellschaft Fidelity etwa, mit einem verwalteten Vermögen von zuletzt knapp 40 Milliarden Euro in Deutschland eher einer der mittelgroßen Gesellschaften, bietet schon seit einigen Jahren beides an: aktive wie passive Fonds.
Dass das so nicht wahrgenommen wird, hat seinen Grund. Fidelity bietet zwar Indexfonds, doch sind diese eher nicht als ETF konzipiert. Index-Investieren wurde in Deutschland zwar erst mit dem ETF populär, ist aber wesentlich älter: Während der erste Indexfonds 1971 aufgelegt wurde, gab es den ersten ETF erst 1990. Zudem sind die Nicht-ETF eher keine Publikumsfonds im engeren Sinn. „Wir bieten unsere Indexfonds Kunden als Portfolio-Baustein im Rahmen von Multi-Asset- und Vermögensverwaltungs-Lösungen an“, sagt Christian Machts, der bei Fidelity den Drittvertrieb in Deutschland, Österreich und Osteuropa leitet.
Der eigene Index-Fonds kommt
ETF seien auch nicht der Kern der Index-Anlage, sagt Machts. In Großbritannien etwa laufe diese in der Regel über Indexfonds. Dass in Deutschland ETF dominierten, sei letztlich eine Verlängerung des Zertifikate-Trends der frühen 2000er Jahre. „Es ist aber fraglich, ob das so bleibt. Die wenigsten Kunden brauchen den Vorteil des Produkts: die Echtzeit-Transparenz und die sekündliche Liquidität.“ Das Kostenargument steche gar nicht. Indexfonds seien mitunter günstiger. Hinzu kämen bei ETF die Handelsgebühren. „In den meisten Fällen ist ein ETF besser für das taktische Agieren, aber Indexfonds günstiger für längerfristige Investments.“
Das Thema Indexfonds und ETF werde zunehmend wichtiger. Der Preisdruck in der Vermögensverwaltung sei groß, die Konsolidierung schreite voran. Schon seit einigen Jahren arbeite Fidelity daran, sich zu positionieren. „Aber wir wollen dafür das aktive Management. Wir wollen keine Standardprodukte anbieten, sondern den Mehrertrag eines aktiv gemanagten Produkts zum günstigeren Preis eines passiven Produkts anbieten.“
Und das schließt kühne Ideen ein. „Self-Indexing wird einer der nächsten Trends im passiven Investieren sein“, ist sich Machts sicher. „Wie jede Technik entwickelt sich auch passives Investieren von der Standardisierung zur Individualisierung.“ Auch die Struktur werde sich ändern. Der Kostendruck werde dazu führen, dass „Security Tokens“, die Vermögenswerte digital via Blockchain verbriefen, auch in der Fondsbranche eingesetzt werden. Im liquiden Massengeschäft sei das noch Jahre entfernt, aber Produkte wie Private Equity oder Infrastrukturanlagen würden noch in diesem Jahr auf Token-Basis angeboten werden, prognostiziert Machts. „Die Digitalisierung der Vermögenswerte ist derzeit in der Pilotphase, die Regulatoren stehen dem Thema offen gegenüber. Und die Investoren stehen unter Kostendruck. Wenn man ihnen einen großen Kostenblock erspart, werden sie das dankend annehmen.“
