Finanzen

Dow schwächelt: Wall Street hofft auf lockerere Maßnahmen

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Die Bronze-Statue „furchtloses Mädchen“ (Fearless Girl) in der Wall Street trägt eine Atemschutzmaske.

Die amerikanischen Börsen konnten sich in der ersten Handelsstunde auf keine klare Richtung einigen. Während Hightech-Aktien besser abschnitten und den technologielastigen Nasdaq-Index um 0,7 Prozent steigen ließen, gab der Leitindex Dow um 0,8 Prozent auf 23.301 Punkte nach.

Zuvor hatten mit Erleichterung aufgenommene Arbeitsmarktdaten und die Hoffnung auf eine Lockerung der Coronavirus-Restriktionen Anleger zunächst zum Wiedereinstieg in den amerikanischen Aktienmarkt ermuntert. Im Verlauf des Donnerstags wollte Präsident Donald Trump seinen Fahrplan zur Normalisierung der dortigen Wirtschaft vorstellen. Die Leitindizes Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 stiegen daraufhin zur Eröffnung um bis zu 1,1 Prozent.

„Schreckliche Zahl“

Gelassen reagierten Investoren auf die 5,2 Millionen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, die in der vergangenen Woche gestellt wurden. „Das ist zwar eine schreckliche Zahl“, sagte David Bahnsen, Chef-Anleger des Vermögensverwalters Bahnsen. „Aber sie liegt niedriger als in den vorangegangenen beiden Wochen. Ich glaube, der Höhepunkt ist überschritten.“

Es bleibe allerdings unklar, wie sich die Normalisierung auf die Unternehmensgewinne in den kommenden Quartalen auswirken werde, fügte Bahnsen hinzu. Scott Brown, Chef-Volkswirt des Vermögensberaters Raymond James, warnte vor möglichen Rückschlägen bei der erwarteten Konjunkturerholung.

Dow Jones ein Tag

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Bei den Unternehmen rückte Morgan Stanley ins Rampenlicht. Weil die Bank wie die Konkurrenz hohe Summen für drohende Kreditausfälle zurücklegen musste, brach der Gewinn um ein Drittel ein. Gleichzeitig warnte das Institut vor weiteren Belastungen durch die Virus-Krise. Die Aktien von Morgan Stanley fielen um 1,7 Prozent.

Auch Dax und Euro-Stoxx steigen

Im Sog einer abbröckelnden Wall Street drehten auch der Dax und Euro-Stoxx-50 ins Minus. Kurz zuvor hatte an der deutschen Börse nach einem deutlichen Kurs-Minus am Vortag noch Erleichterung überwogen.

Die Aussicht auf eine Lockerung der Coronavirus-Restriktionen in Deutschland und einigen anderen europäischen Staaten lockt Anleger in die Aktienmärkte zurück. „Sie sind begierig, Nachrichten über Exit-Strategien und das Wiederhochfahren der Wirtschaft zu hören“, sagte Rabobank-Volkswirt Stefan Koopman. Im Tagesverlauf wollte Präsident Donald Trump seinen Fahrplan zur Normalisierung der heimischen Wirtschaft vorstellen.

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Dax und EuroStoxx50 notierten am Donnerstagnachmittag jeweils etwa ein Prozent im Plus bei 10.398 und 2833 Punkten. Leichten Zusatzschub erhielten die beiden Indizes von den im Rahmen der Erwartungen ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten. In der vergangenen Woche lag die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe bei 5,2 Millionen. Damit mussten allerdings wegen der Virus-Krise binnen eines Monats mehr als 20 Millionen Amerikaner Stütze beantragen.

Mit Spannung warteten Börsianer zudem auf Trumps Fahrplan zur Normalisierung der US-Wirtschaft. Es stehe viel auf dem Spiel, sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. Bei einer zweiten Infektionswelle seien die Auswirkungen eines erneuten Lockdowns deutlich größer als der Vorteil eines raschen Wiederhochfahrens der Wirtschaft.

Gold gefragt

Vor diesem Hintergrund flüchteten sich einige Investoren erneut in die Weltleitwährung. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, legte 0,2 Prozent zu. Im Gegenzug verbilligte sich der Euro auf 1,08 Dollar.

Auch Gold blieb gefragt und war für heimische Anleger mit 1596,48 Euro je Feinunze (31,1 Gramm) so teuer wie nie. Kurstreiber sei hier aber weniger die Angst vor der drohenden weltweiten Rezession als die billionenschweren Geldspritzen, mit denen die Notenbanken die Konjunktur wohl auf Jahre hinaus aufpäppeln müssten, sagte Carlo Alberto De Casa, Chef-Analyst des Brokerhauses ActivTrades. Gold dient Investoren häufig als Inflationsschutz.

Auch bei italienischen Staatsanleihen griffen sie wieder zu. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Titel auf 1,79 von 1,90 Prozent. Auftrieb erhielten die Papiere von den Stimmen innerhalb der italienischen Regierung, das OMT-Programm der Europäischen Zentralbank (EZB) zu aktivieren, sagte Commerzbank-Anlagestratege Michael Leister. In dessen Rahmen kann die Notenbank unter bestimmten Voraussetzungen Anleihen eines Euro-Staates an der Börse aufkaufen und somit die Renditen niedrig halten.