
Wenn es ernst wird, rücken die Portugiesen zusammen. Dann kann sich der sozialistische Ministerpräsident António Costa sogar auf die konservative Opposition verlassen. Er wünsche ihm „Mut, Nerven aus Stahl und viel Glück. Denn Ihr Glück ist auch unser Glück“, sagte der Vorsitzende der liberal-konservative PSD-Partei Rui Rio im Parlament in Lissabon. Der Oppositionsführer versprach dem Regierungschef „volle Zusammenarbeit“ im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez wirkte neidisch, als er im Madrider Parlament Rui Rios „emotionale Rede“ als ein Vorbild für seine Opposition erwähnte, die ihn immer schärfer attackiert.
Effizient und geeint setzt sich Portugal gegen das Coronavirus zur Wehr. Im Vergleich zu anderen Ländern war die Regierung relativ früh aktiv geworden. Der Alarmzustand wurde schon ausgerufen, als es nur hundert Infizierte und noch keinen Toten gab. Zuvor waren schon Schulen, Bars und Diskotheken geschlossen und alle Sportveranstaltungen abgesagt worden. Die Landesgrenzen zu Spanien wurden abgeriegelt. Dort registrierte man am Sonntag zehnmal so viele Infizierte wie in Portugal, wo die Zahl im Vergleich zum Vortag um gut zehn Prozent auf 16.585 nachgewiesene Fälle stieg. Bisher starben 504 Menschen in dem Land mit etwa zehn Millionen Einwohnern an den Folgen des Coronavirus. In Schweden, wo die Bevölkerung ähnlich groß ist, wurden am Osterwochenende fast 900 Tote registriert. Die Regierung in Stockholm hatte lange Zeit vor allem auf Appelle und Information gesetzt, weniger auf Verbote.
Retten, was zu retten ist
Am Sonntag ging für die Portugiesen ein karges Osterfest zu Ende. Die traditionellen Familienbesuche fielen aus, denn die Ausgangsbeschränkungen, die die Regierung am Freitag bis zum 1. Mai verlängerte, wurde über die Feiertage noch einmal verschärft: Von Gründonnerstag bis Montag um null Uhr dürfen die Portugiesen ihren Wohnort und möglichst auch ihre Wohnung nicht mehr verlassen. Der Flugverkehr ruht weitgehend, wie auch der inländische Verkehr. „Wir müssen für den Rest des Aprils um zusätzliche Anstrengungen bitten, um am Ende des Monats das Blatt wenden zu können“, sagte Staatspräsident Rebelo de Sousa. Trotz des nationalen Notstands, der mittlerweile gilt, geht es in Portugal nicht so streng zu, wie nebenan in Spanien. Eltern dürfen mit ihren Kindern vor die Türe, die Parks sind geöffnet, Sport an der frischen Luft ist erlaubt. Restaurants bieten Gerichte zum Mitnehmen an. Aber schon jetzt steht fest, dass der gewohnte Alltag nur schrittweise und langsam zurückkehren wird. So werden die Schüler bis zur zehnten Klasse nach den Osterferien vorerst nicht mehr in ihre Klassenzimmer zurückkehren. Sie werden das Schuljahr vor dem Bildschirm beenden, über den sie Fernunterricht erhalten.
