
Der deutsche UN-Botschafter Heusgen hat recht: Vom UN-Sicherheitsrat hat man in der Corona-Krise bisher nichts gehört- ohrenbetäubend still ist er gewesen. Dabei wühlt die Pandemie seit Monaten Länder und Gesellschaften auf, wie es seit Jahrzehnten nicht mehr vorkam, die Prognosen für die Weltwirtschaft werden immer düsterer und UN-Generalsekretär Guterres ruft unermüdlich zu internationaler Zusammenarbeit auf. Aber der Rat hält sich zurück, ganz so, als ob die Pandemie Frieden und Sicherheit nicht bedrohte. Jetzt, Mitte April, ist er zum ersten Mal zusammengekommen. Wer im Sicherheitsrat den zentralen Akteur der globalen Ordnung sieht, dürfte wieder einmal enttäuscht sein.
Nach den Gründen muss man nicht lange suchen: die Rivalität der großen und der halbgroßen Mächte- der amerikanisch-chinesische Gegensatz, der auf immer mehr Feldern und Bühnen ausgetragen wird- der Rückzug der Vereinigten Staaten aus der weltpolitischen Führungsrolle. Das war bei der Ebola-Krise ganz anders, ebenso vor gut zehn Jahren, als die Welt in den Abgrund der Finanzkrise blickte. Führung ist auf der Strecke geblieben.
Und es könnte noch schlimmer kommen: Guterres warnte vor der Bedrohung durch Bioterror und davor, dass Terrorgruppen die Lage ausnutzen könnten, weil Regierungen durch die Bewältigung der Pandemie abgelenkt seien. Man blickt um sich und fragt: Wer besitzt Kraft und Willen, die internationale Zusammenarbeit jetzt und „danach“ zu organisieren?
