Unternehmen

Philanthropie: Das filmreife Leben des Corona-App-Mäzens

• Bookmarks: 57


Stifter-Paar: Marcela Botnar (geboren 1928) und Octav Botnar (1913–1998)

Eine Smartphone-App soll helfen, bald einen Weg aus der Corona-Krise zu finden. Wissenschaftler aus ganz Europa haben sich zusammengetan, um die Grundlagen für eine Software-Anwendung zu schaffen, die Infektionsketten schneller nachverfolgbar und damit das Ansteckungsrisiko drastisch senken soll.

Aus Deutschland macht mit, was Rang und Namen hat: das Robert-Koch-Institut, die Leibniz-Gemeinschaft, verschiedene Fraunhofer-Institute und Technische Hochschulen.

Aber wer trägt die Kosten für das Projekt, das sich den reichlich sperrigen Namen „Pan-European Privacy-Preserving Proximity Tracing Initiative“ gegeben hat? Wichtigster Geldgeber ist eine Stiftung mit Sitz in Basel, hinter der das abenteuerliche Leben eines außergewöhnlichen Geschäftsmanns steht.

Octave Botnar, geboren 1913 in der Stadt Czernowitz in der Bukowina, die damals noch zum Kaiserreich Österreich-Ungarn gehörte, nach dem Ersten Weltkrieg Rumänien zugeschlagen wurde und heute ukrainisch ist, machte sein Vermögen in der zweiten Hälfte seines Lebens in Großbritannien. Als Alleinimporteur der japanischen Automarke Datsun wurde er zum Milliardär, geriet in einen Konflikt mit der Steuerbehörde und setzte sich auch deshalb schließlich in der Schweiz zur Ruhe.

Er saß jahrelang in Haft

Als junger Mann war Botnar, Spross einer jüdischen Familie, indes eher dem Sozialismus als dem Kapitalismus zugeneigt. Wegen seines politischen Engagements saß er jahrelang in Haft, zog später nach Frankreich und schloss sich im Zweiten Weltkrieg dem Widerstand gegen die deutsche Besatzungsmacht an, geriet in Kriegsgefangenschaft und floh in seine Heimat, wo er 1951 seine Frau Marcela heiratete, um dann, frustriert von der real existierenden Planwirtschaft, ein neues Leben in Großbritannien aufzubauen.

Zu Mäzenen machte die Botnars ein persönlicher Schicksalsschlag: 1972 kam ihre 20 Jahre alte Tochter während eines Autounfall ums Leben. Octav Botnar starb im Jahr 1998.