Ausland

Corona-Pandemie: Tote auf Ecuadors Straßen

• Bookmarks: 41


Ein Bestatter neben seinem Wagen in der Hafenstadt Guayaquil

Tote, die auf Gehsteigen oder tagelang in Wohnungen liegen, mit Leichen überfüllte Räume in Krankenhäusern: Die Bilder aus der ecuadorianischen Metropole Guayaquil, die in den vergangen Tagen in den Medien und sozialen Netzwerken kursierten, schrecken auf. Die Corona-Krise hat die Bestattungsdienste der größten Stadt Ecuadors zum Kollabieren gebracht. Alleine zwischen Donnerstag und Dienstag wurden laut Angaben der Polizei über 550 Todesfälle gemeldet – ein neuer Rekord. Am Dienstag wuchs die Warteliste von Leichen, die noch nicht abtransportiert werden konnten auf über 400 an. Die Stadtverwaltung von Guayaquil setzt inzwischen Kühlcontainer ein, um die Körper bis zu ihrer Beisetzung zu lagern.

Die Situation hat zu politischen Spannungen zwischen der Bürgermeisterin von Guayaquil, Cyntia Viteri, und der Regierung von Präsident Lenín Moreno geführt. Viteri, die sich mit dem Coronavirus angesteckt hat und in Quarantäne befindet, macht die Regierung in Quito für die Zustände verantwortlich. Die Regierung von Präsident Lenín Moreno hat vor kurzem eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die sich ausschließlich dem Problem in Guayaquil widmet. In einem Interview sagte der für die Provinz Guayas zuständige Militärkommandant, dass noch vor dem Wochenende alle Leichen in Guayaquil beigesetzt würden.

Ecuador sticht im lateinamerikanischen Vergleich hervor

Längst nicht alle Todesopfer in Guayaquil sind an den Folgen des Coronavirus gestoben, doch die Zunahme der Sterbezahl in den vergangenen Tagen lässt auf einen signifikanten Anteil schließen. Das wiederum weckt Zweifel an den offiziellen Zahlen. Offiziell zählte Ecuador am Mittwoch 2758 Infizierte und 98 Todesfälle durch das Coronavirus. Rund zwei Drittel der Fälle wurden in Guayaquil registriert. Allerdings sind inzwischen alle Provinzen des Landes betroffen, sogar die Galapagosinseln. Selbst wenn die Zahl der Todesopfer noch höher ist, sticht Ecuador im lateinamerikanischen Vergleich hervor: Das relativ kleine Land zählt nach Brasilien die zweitmeisten Todesopfer in der Region. Dabei ist die Bevölkerung mit gut 17 Millionen Einwohnern rund zwölfmal kleiner als jene Brasiliens. Einige bezeichnen Ecuador bereits als das „Italien Lateinamerikas“.