Ausland

Ausgangssperre in Albanien: Nach draußen darf man nur mit App

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Eine Frau in Tirana konsultiert ihr Smartphone

Am vergangenen Samstag flogen zehn albanische Ärzte und zwanzig Pfleger von Tirana nach Rom. Inzwischen behandeln die Albaner im Feldlazarett in Bergamo in der Lombardei italienische Covid-19-Patienten. Dass die Helfer aus dem Nachbarland keine Zertifikate über ihre medizinischen Abschlüsse mit sich führten, schmälerte die Dankbarkeit der Italiener nicht.

Albaniens Ministerpräsident Edi Rama hatte die Verabschiedung der schon vor dem Abflug in weiße Schutzkleidung gehüllten Mediziner auf dem Mutter-Teresa-Flughafen in Tirana für eine medienwirksame Solidaritätsbekundung genutzt. In tadellosem Italienisch verkündete er, die Albaner würden den Italienern ewig dankbar sein für deren Hilfe nach dem Erdbeben in Durrës vom 26. November vergangenen Jahres. Nun stehe Albanien seinerseits dem Nachbarn in der Not bei. Am Dienstagabend zog Präsident Ilir Meta nach. Er ließ seinen Amtssitz im Herzen Tiranas in die italienischen Nationalfarben tauchen und ließ wissen: „Italien, wir sind mit euch! Gemeinsam werden wir es schaffen!“

Bis Donnerstag wurden in Albanien nach amtlichen Angaben 277 Personen positiv auf das Coronavirus getestet, die Hälfte von ihnen in der Hauptstadt. 16 Menschen sind demnach bisher an der Covid-19-Lungenkrankheit gestorben. Am Donnerstag lagen 81 Covid-19-Patienten auf Isolierstationen in den Krankenhäusern des Landes, vier von ihnen mussten künstlich beatmet werden. Für ein Land von 2,8 Millionen Einwohnern sind das keine großen Zahlen.

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Rentner müssen ganz zu Hause bleiben

In einem Facebook-Beitrag teilte Regierungschef Rama am Donnerstag der Nation mit, die Kurve der Neuinfektionen scheine sich nach unten zu bewegen. „Ich möchte nicht, dass ihr euch zu früh freut. Aber wir könnten nächste Woche erste Lockerungen der Beschränkungen in Erwägung ziehen, sollten sich die Zahlen bestätigen.“

In Albanien gilt seit dem 9. März eine nationale Ausgangssperre, dazu einen fast vollständigen Shutdown der Wirtschaft. Die Grenzen zu den Nachbarstaaten sind geschlossen, der Flug- und Fährverkehr ist fast vollständig eingestellt. Ausländer dürfen nicht mehr einreisen. Lebensmittelläden und Supermärkte, Banken und Tankstellen sind wochentags nur von fünf Uhr früh bis ein Uhr nachmittags geöffnet. Am Wochenende kommt das öffentliche Leben fast vollständig zum Erliegen, an Sonntagen ist überhaupt kein Ausgang gestattet.

Seit Montag darf nur noch eine Person je Haushalt und Tag für höchstens eine Stunde zum Einkaufen oder zu unaufschiebbaren Erledigungen aus der Wohnung oder aus dem Haus gehen. Rentner dürfen die eigenen vier Wände überhaupt nicht verlassen, ihre Versorgung wird nach offiziellen Angaben von staatlichen Stellen und freiwilligen Helfern gewährleistet. Die Erlaubnis zum höchstens einstündigen Ausgang muss vorab über die Handy-App „e-albania“ eingeholt werden.

Am ersten Tag der abermals verschärften Ausgangssperre brach die Internetseite der App zusammen, seit Mittwoch funktioniert sie dem Vernehmen nach weitgehend störungsfrei. Mit einer weiteren App, auf der Internetseite der Polizei, müssen Autofahrten beantragt werden, unter Angabe des Grundes sowie der Ausgangs- und Zieladresse der Fahrt. Bei Kontrollen müssen Fußgänger und Radfahrer sowie Autofahrer die zuvor auf elektronischem Weg von den Behörden erteilten Erlaubnisse vorzeigen.