
Litauens Präsident, Gitanas Nauseda, ist beunruhigt. Der offiziellen Statistik des Nachbarlands Belarus zur Ausbreitung des Coronavirus sei nicht zu trauen, sagte Nauseda am Mittwoch. Belarus unterschätze den Ausbruch, die Lage im Land sei bedeutend schlechter als dargestellt, Präsident Alexander Lukaschenka beurteile sie „mit einer gewissen Prahlerei“. Belarus mit knapp zehn Millionen Einwohnern, das Lukaschenka seit mehr als einem Vierteljahrhundert autoritär-autokratisch beherrscht, ist das einzige Land der Region, das in der Pandemie weder seine Grenzen geschlossen noch das öffentliche Leben eingeschränkt hat. Fabriken arbeiten, Restaurants und Märkte haben geöffnet, Universitäten lehren weiter, auch Schulen, wobei Lukaschenka „ängstlichen“ Eltern freistellt, ihre Kinder zu Hause zu lassen. Eishockeyspiele finden weiter statt, erst am vergangenen Samstag mit Lukaschenka selbst. „Auf dem Eis gibt es keine Viren“, sagte der Präsident dabei, und: „Besser im Stehen sterben, als auf Knien zu leben.“
Fans in aller Welt schauen inzwischen belarussische Fußballspiele, auch wenn sich zuletzt Fußballspieler und Fans über die Gefahren beklagt haben, die der fortgesetzte Spielbetrieb bringt. Anhänger des Erstligavereins Njoman Hrodna teilten nun gar mit, sie würden keine Spiele mehr besuchen: „Uns belügt jemand.“
Schon die Suche nach offiziellen Zahlen zum Coronavirus in Belarus ist schwierig. Das Gesundheitsministerium veröffentlicht sie nicht täglich. Am Donnerstag meldete es 300 Corona-Infektionen, fast doppelt so viele wie am Montag. Da sollten noch 47 Patienten genesen sein, am Donnerstag nur noch 42. Lukaschenka hat hingegen von mehr als hundert Geheilten gesprochen und behauptet, Belarus erlebe gerade den „Peak“ in der Infektionswelle.
