
Nicht alles wird anders durch die Corona-Krise. Dass Nordrhein-Westfalen jetzt einen „Expertenrat Corona“ ins Leben ruft, um eine Strategie zu entwickeln, die aus dem „Shutdown“ zurück ins normale Leben führt, ist ein gutes Beispiel. Eine Kommission einzusetzen ist ein altbekanntes Mittel der Regierungen, um Verantwortung zu delegieren und dabei nicht in den Parteienstreit zu geraten. Parteienstreit heißt in diesem Fall auch Länderstreit. Denn es ist nicht anzunehmen, dass alle Länder beim Ausstieg plötzlich einig sind, nachdem der Einstieg so holprig verlaufen ist.
Gab es vor zwei Wochen Länder und Kommunen, die einen möglichst schnellen und drastischen Schlag gegen das Virus verlangten, wird es jetzt Länder geben, die eine möglichst schnelle Rückkehr in geordnete Bahnen durchsetzen wollen. Nordrhein-Westfalen, vom Stillstand besonders hart betroffen, gehört mit Sicherheit dazu. Das Datum der Hoffnungen: der 19. April, auf den sich Bund und Länder am Mittwoch erst einmal verständigt haben. Dann wird man weitersehen.
Die Ministerpräsidenten werden aufmerksam verfolgt haben, dass Armin Laschet viele Fachgebiete aufzählte, die in seinem Corona-Rat vertreten sein sollen, von Virologie über Ethik bis Soziologie. Die Ökonomen nannte er nicht, obgleich er allen Anlass hatte, besonders an sie zu denken, sagte er für den schlimmsten Fall doch auch voraus: „Eine solche tiefe Wirtschaftskrise hat Deutschland noch nie erlebt.“ Auch das Gespräch der Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin am Nachmittag war deshalb darauf ausgerichtet: Was muss getan werden, um das Schlimmste zu verhüten und nach Ostern den Motor wieder anwerfen zu können?
