
In Potsdam hat das Ernst von Bergmann-Klinikum mit sofortiger Wirkung einen Stopp der stationären Aufnahme, der Entlassung und Verlegung von Patienten verfügt. Grund ist die Häufung von Corona-Fällen in der Klinik, die als Schwerpunktkrankenhaus der Region einen Einzugsbereich von 500.000 Personen hat. Das teilten der Potsdamer Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) und die Krankenhausleitung am Dienstagnachmittag bei einer Pressekonferenz mit. Nachdem erste Coronafälle ermittelt worden waren, hatte das Klinikum am Wochenende 33 weitere Fälle auf der Geriatriestation registriert. Sieben Patienten waren verstorben. Vier dieser Todesfälle betrafen die Geriatrie.
Das Klinikum beschloss angesichts der Häufung der Fälle, alle 530 Patienten im Krankenhaus zu testen, um die Betroffenen separieren zu können. Daraufhin wurden weitere 17 Patienten positiv getestet, so dass insgesamt rund 60 Coronafälle registriert wurden. Zudem wurden drei von 250 Mitarbeitern positiv getestet.
Die Infizierten befinden sich in einem gesonderten Teil des Krankenhauses. Man wolle eine strikte Trennung der Patienten. Das sei auch ein Lerneffekt von den Kollegen aus Italien und Frankreich. Derzeit werden elf Covid-19-Patienten auf der Intensivstation behandelt, zehn von ihnen beatmet, teilte die medizinische Geschäftsführerin Dorothea Fischer mit.
Amtshilfe vom RKI?
Da man nicht alle Infektionswege feststellen konnte, beschloss die Amtsärztin, das Krankenhaus für Aufnahmen zu schließen, um die übrigen Patienten und das Personal zu schützen. Zudem wurde das Robert-Koch-Institut um Amtshilfe gebeten, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Alle Notärzte des Krankenhauses erhalten ab sofort Mund- und Nasenschutz, den sie zum Schutz der Patienten und des Personals ständig tragen müssen. Auch das Wartungspersonal, welches das Krankenhaus noch betreten darf, muss diesen Schutz in einer Schleuse anlegen. Bei weitem nicht alle positiv getesteten Personen zeigten Symptome, sie stammten auch nicht alle aus der Geriatrie, teilte die Krankenhausleitung mit.
Angesichts der Ereignisse in Würzburg und Wolfsburg, wo durch das Virus in Pflegeheimen zahlreiche Menschen gestorben seien, habe das Klinikum verantwortungsvoll gehandelt, sagte Oberbürgermeister Schubert. Insgesamt gab es in Potsdam am Mittwoch rund 160 Infizierte, die Gesamtzahl im Land nähert sich der tausend.
Die Aufnahme von Patienten soll nun vor allem das St.-Joseph-Krankenhaus in Potsdam übernehmen, in dem es bisher zwei Todesfälle durch Corona gab. Die umliegenden Kreise in Brandenburg wurden aufgerufen, nach Möglichkeit nicht die verbleibenden Krankenhäuser in Potsdam anzufahren. Ursprünglich war das Ernst von Bergmann-Klinikum auch dafür vorgesehen, Corona-Patienten aus Italien aufzunehmen.
