
An den Gründen für den „Lockdown“ in Deutschland hat sich in den vergangenen anderthalb Wochen wenig geändert: Die Zahl der Infizierten steigt zwar etwas langsamer, aber sie steigt deutlich. Es gibt gegen die Krankheit Covid-19 weiterhin nur eine symptomatische Therapie, die Mediziner können nur Atemunterstützung geben und den Kreislauf mit Kochsalzlösung stabilisieren.
Auf eine Welle von schwer kranken Covid-19-Patienten ist unser Gesundheitssystem noch nicht so gut vorbereitet, wie mitunter behauptet wird. Im Südwesten etwa, einer Infektionshochburg in Deutschland, sind in einigen Krankenhäusern der Grundversorgung die Kapazitäten für beatmungspflichtige Patienten schon jetzt nahezu ausgeschöpft. Selbst große Universitätskliniken werden ihre Reserven an Schutzmasken und Schutzanzügen im Laufe dieser Woche verbraucht haben. Seit Wochen wird am Nachschub gearbeitet – in den Kliniken angekommen ist er in vielen Fällen bis heute nicht.
Wenn ein Marktwirtschaftler wie der baden-württembergische FDP-Landesvorsitzende Michael Theurer nun Bundesgesundheitsminister Jens Spahn öffentlich dazu auffordert, die Produktion von Schutzkleidung „planwirtschaftlich“ anzuordnen, ist das kein Anzeichen von Hysterie, sondern der Beleg, dass ein Politiker den Ernst der Lage erkannt hat und krisenadäquat denkt. Wenn es in den nächsten Tagen nicht gelingt, wenigstens das medizinische Personal vor einer Corona-Durchseuchung zu schützen, wird in den Zentren der Pandemie in drei Wochen niemand mehr eine geordnete medizinische Versorgung garantieren können.
Der Höhepunkt der Krise steht noch bevor
Der Höhepunkt der Krise steht Deutschland noch bevor. Innenminister Horst Seehofer und Bundeskanzlerin Angela Merkel haben das erkannt. Seehofers Hinweis, die Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens müsste im Moment mit der „Inkaufnahme von vielen Toten“ bezahlt werden, war dringend notwendig und richtig. Eine Neubewertung der Lage ergibt tatsächlich erst zum 19. April Sinn.
