Kampf gegen das Coronavirus: Intensivmediziner fordern zentrale Verteilung von Patienten

Published 30/03/2020 in Inland, Politik

Kampf gegen das Coronavirus: Intensivmediziner fordern zentrale Verteilung von Patienten
Ein Coronapatient aus Frankreich kommt am Sonntag im Krankentransportwagen am Bundeswehrkrankenhaus in Ulm an.

Intensivmediziner in Deutschland fordern die bundesweit zentrale Verteilung von Coronavirus-Patienten auf die Kliniken des Landes. Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), forderte gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe am Montag die Bundesregierung dazu auf, so schnell wie möglich eine zentrale Stelle einzurichten, die Patienten bundesweit auf weniger ausgelastete Kliniken verteilt. Dabei sollten das Robert-Koch-Institut (RKI), das Bundesgesundheitsministerium, das Bundesinnenministerium und die Bundeswehr beteiligt werden.

Damit eine solche länderübergreifende Verteilung funktioniere, müssten zudem Kliniken mit Intensivstationen staatlich verpflichtet werden, ihre Kapazitäten im bundesweiten Intensivregister der DIVI zu melden, sagte Janssens. Von den rund 1160 Kliniken haben nach seinen Angaben erst rund 700 ihre freien und belegten Intensivbetten gemeldet.

Einige Krankenhäuser in Deutschland kommen bereits jetzt an ihre Belastungsgrenzen. Das Klinikum Wolfsburg nimmt aufgrund von Corona-Infektionsfällen unter den Mitarbeitern bis auf wenige Ausnahmen keine neuen Patienten mehr auf. Diese würden auf umliegende Krankenhäuser verteilt, teilte die Stadt mit. Davon ausgenommen seien die Notaufnahme der Kinderklinik und der Kreißsaal, wie eine erste „intensive Analyse der Situation“ ergeben habe. Zuvor hieß es zudem, dass ab sofort keine Besuche mehr erlaubt seien, „auch nicht die bisherigen Ausnahmen“.

Die Stadt hat stark mit der Coronavirus-Pandemie zu kämpfen. In einem Wolfsburger Alten- und Pflegeheim sind insgesamt 15 Menschen nach einer Covid-19-Erkrankung gestorben.

Altmaier hält Debatte über Lockerungen für verfrüht

Intensivmediziner Janssens kritisierte, dass die deutsche Politik nicht rechtzeitig genug auf die Ausbreitung des neuartigen Virus reagiert habe. Die Corona-Krise in Deutschland sei schon im Januar „absolut vorhersehbar“ gewesen: „Die Regierungen in Bund und Ländern hätten die klaren Signale früher wahrnehmen müssen, um dann entsprechende Maßnahmen einzuleiten.“

Die Bundesregierung stellt sich unterdessen Forderungen nach einer baldigen Lockerung der Kontaktbeschränkungen entgegen. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) nannte es im ARD-Fernsehen „zynisch“ zu verlangen, dass gesundheitliche hinter wirtschaftlichen Fragen zurücktreten sollten. Es gehe darum, Leben zu retten. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) schrieb auf Twitter: Forderungen nach einer Lockerung der Maßnahmen seien verfrüht und deshalb falsch, solange eine deutliche Verlangsamung der Zahl der Neuinfektionen nicht erreicht sei.

Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) sagte, die Dauer der Kontaktbeschränkungen richte sich nach der Tragfähigkeit des Gesundheitssystems. Im ZDF sagte er, jeder, der eine stationäre Behandlung brauche, müsse sie auch bekommen können. Dazu müsse die Verdopplung der Infektionszahlen von derzeit alle sechs Tage auf zehn oder mehr Tage verlangsamt werden.

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