
In Fernsehkrimis lassen sich Ermittler gern von ihrem Bauchgefühl leiten. In der großen Politik empfiehlt sich dieses Vorgehen nicht. Das hätte Donald Trump in den bisherigen drei Jahren seiner Amtszeit eigentlich gelernt haben können. Aber der amerikanische Präsident bleibt sich treu. Er äußert sich sehr gern „aus dem Bauch heraus“, auch wenn ihm sein Gerede immer wieder auf die Füße fällt.
Gerade jetzt müsste Trump wieder jenes schmerzhafte Gefühl verspüren. Über längere Zeit hatte er über das „chinesische Virus“ hergezogen, China (nicht zu Unrecht) Vertuschung in der Frühphase der Pandemie vorgeworfen. Und nun, da die Krise auch in Amerika angekommen ist, telefoniert er mit dem chinesischen Staats- und Parteichef und äußert anschließend (mit Recht) Anerkennung dafür, dass China bei der Bekämpfung des Virus gute Fortschritte gemacht habe.
Xi hat das Telefonat wieder einmal genutzt, um sich vor aller Welt als weiser und besonnener Staatsmann zu gerieren. Das Virus sei der gemeinsame Feind der Menschheit. Und deshalb müssten alle Staaten der Welt bei der Bekämpfung zusammenarbeiten. Das ist richtig. Und es klingt so gut wie in den Monaten nach Trumps Amtsantritt das chinesische Bekenntnis zu Multilateralismus und Freihandel.
Sympathiepunkte gewonnen
Xi hat mutmaßlich Sympathiepunkte gewonnen. Noch mehr Sympathie schlüge ihm freilich entgegen, wenn er glaubwürdig behaupten könnte, sein Land (das darf man angesichts seiner herausgehobenen Stellung im System übrigens durchaus wörtlich nehmen) hätte von Anfang an maximale Transparenz an den Tag gelegt. Hat es aber nicht. Vielmehr wurden Menschen, die auf das Problem aufmerksam machten, mundtot gemacht – im Interesse der „Stabilität“.
