Verhältnis zu Amerika: Iran glaubt an eine Corona-Verschwörung

Published 24/03/2020 in Ausland, Politik

Verhältnis zu Amerika: Iran glaubt an eine Corona-Verschwörung
Irans Präsident Hassan Rohani hält am Montag eine Videokonferenz über die Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung des Coronavirus ab.

In Iran verbreiten sich neben dem Coronavirus auch Verschwörungstheorien. So hat Revolutionsführer Ali Chamenei in seiner Begründung, weshalb er ein amerikanisches Hilfsangebot ablehnt, eine von China in die Welt gesetzte – und durch nichts belegte – These aufgegriffen. Sie besagt, die Vereinigten Staaten hätten das Virus selbst hergestellt, um Feinde wie China oder Iran zu schwächen. Dazu habe Amerika, behauptete Chamenei, sogar genetisches Material von Iranern gesammelt. Unter solchen Umständen dürfe man Angeboten wie denen von Außenminister Mike Pompeo und Präsident Donald Trump keine Beachtung schenken, zumal die Hilfsgüter selbst mit dem Virus infiziert sein könnten.

Bereits Ende Februar hatte Pompeo Hilfe angeboten, zuletzt zeigte sich dazu am Sonntag auch Trump bereit, nur müsse Teheran „darum bitten“. Chamenei aber forderte abermals, stattdessen sollten die Amerikaner doch die Sanktionen gegen Iran aufheben. Erst in der vergangenen Woche hatte Washington die Sanktionen abermals verschärft. Chamenei beschimpfte die amerikanische Regierung als „lügnerisch, hinterlistig und gierig“ sowie als „den schlimmsten Feind Irans“. Die iranischen Staatsmedien nahmen am Montag die Vorlage auf und verbreiteten die Theorie eines „biologischen Kriegs“ und „biologischen Terrors“, den Amerika gegen Iran führe.

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Angenommen hat Iran jedoch französische Hilfe zur Bekämpfung des Coronavirus. So errichtet die Organisation Ärzte ohne Grenzen auf Bitte Irans in Isfahan ein mobiles Krankenhaus für besonders schwere Fälle. Sie entsendet dazu neun Ärzte und Pfleger. Bereits Anfang März hatten Frankreich, Großbritannien und Deutschland Anfang März als Zeichen der Solidarität Schutzkleidung nach Iran geschickt. Wie breit der Graben zwischen der Iran-Politik der Regierungen in Washington und Paris ist, zeigte am Wochenende ein Gefangenenaustausch. Iran ließ den französischen Soziologen Roland Marchal frei, der Symptome einer Coronainfektion zeigte und im Juni 2019 unter dem Vorwurf der „Verschwörung gegen die nationale Sicherheit“ festgenommen worden war. Im Gegenzug ließ Frankreich einen iranischen Ingenieur frei, dessen Auslieferung Amerika gefordert hatte, der nun aber nach Iran zurückkehren kann.

Noch immer spricht die iranische Führung nicht mit einer Stimme. Präsident Hassan Rohani sagte, verhalte sich jeder vorsichtig, werde sich das Leben zum 1. April wieder weitgehend normalisieren. Der stellvertretende Gesundheitsminister stellte die Iraner jedoch auf einen Kampf gegen das Virus bis mindestens Ende Juni ein. Chamenei appellierte in seiner Ansprache an die Iraner, sich an die Anweisungen des Gesundheitsministeriums zu halten und die Schließung der heiligen Stätten zu tolerieren. Das Gesundheitsministerium gab am Montag die Zahl der Infektionen mit rund 23.000 an, das sind gut 1400 mehr als am Vortag. An dem Virus gestorben sind bisher nach offiziellen Angaben 1812 Personen. Die Weltgesundheitsorganisation geht jedoch von einer hohen Dunkelziffer aus.

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