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Eine Krise von solch epischem Ausmaß erfordert nicht nur die richtigen Taten, sondern auch die richtigen Worte. Der Ernst der Lage muss gerade so eindringlich gemacht werden, dass die Aldi-Verkäuferinnen besorgt genug sind, damit sie für den Feierabend nicht noch zur geheimen Thermomix-Party einladen, aber nicht so demoralisiert, dass sie am nächsten Tag nicht mehr an der Kasse sitzen können. Diesem Zweck dient auch die Danksagung an all jene, „denen zu selten gedankt wird“ (Merkel).
Zentral für unsere führenden Politiker ist auch, an alle anderen Parteien und Bundesländer zu appellieren, dass jetzt nicht die Zeit sei für Streit oder auch nur Wettbewerb. So lässt sich Kritik elegant im Keim ersticken. Andererseits muss man immer wieder diskret aufblitzen lassen, dass das eigene Bundesland und die eigene Partei in der Krisenbewältigung selbstverständlich wieder mal ganz vorne dabei sind. Bayern und die CSU sind auch da wieder mal ganz vorne dabei.
Das Paradoxon ist das Mittel der Stunde
Nicht zuletzt muss man Formulierungen finden, die nicht zu gesucht klingen – sonst vermittelt man den Eindruck, man habe in dieser existentiellen Lage nichts anderes zu tun, als nach schönen Formulierungen zu suchen. Andererseits müssen die Worte schon plastisch genug sein, damit Schüler, wenn die churchilleske Rede dereinst Abiturstoff ist, darin irgendwelche sprachlichen Mittel zum Analysieren finden.
Das sprachliche Mittel der Stunde ist das Paradoxon, das mit der Dialektik von Nähe und Abstand spielt. Drei Beispiele unter vielen: „Rücken wir zusammen, indem wir Abstand halten.“ (Ilse Aigner, CSU) „Im Moment ist nur Abstand Ausdruck von Fürsorge.“ (Angela Merkel, CDU) „Halten wir also räumlichen Abstand und halten wir so zusammen.“ (Katharina Schulze, Grüne)
Der Autor dieser Zeilen hat einst über Julia Klöckner geschrieben, ihr Trick sei es, Nähe zu anderen herzustellen, um sie so auf Distanz zu halten. Die Bundesernährungsministerin hat es nun also noch schwerer als wir alle, sich umzustellen. Deswegen zum Schluss unser Appell: Setzen Sie sie durch Hamsterkäufe nicht noch zusätzlich unter Stress – wir brauchen jetzt jeden Einzelnen.

