
Kann sich eine vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte Parteiströmung ohne feste Strukturen über Nacht in Luft auflösen? Und welche praktischen Folgen für die AfD hätte dieser Zaubertrick? Das fragt sich nicht nur ihr Ehrenvorsitzender Gauland. Das von Panik bis Hilflosigkeit reichende Verhalten des AfD-Vorstands angesichts der Beobachtung des rechtsextremen „Flügels“ durch den Verfassungsschutz ist symptomatisch für den Zustand der Partei. Deutschland und seine ihrer Verantwortung bewussten Politiker kämpfen gegen das Coronavirus, die vom rechtsextremen Virus infizierte AfD kämpft mit sich selbst.
Flügel-Anführer Höcke hat dem von ihm als peinlich kritisierten Beschluss der AfD-Spitze in Windeseile Folge geleistet. Er selbst nennt sich nun selbstverharmlosend einen Konservativen, der die „Historisierung“ des Flügels schon längst in Gang gesetzt habe. Das heißt auf gut Deutsch, das konspirativ operierende völkische Netzwerk war so stark und einflussreich, dass es der AfD erfolgreich den rechtsextremen Stempel aufgedrückt hat. Höcke und sein engster Flügel-Kamerad Kalbitz denken nicht an Austritt oder einen Kurswechsel hin zur Mitte der AfD, zu der sie laut Gauland ja schon immer gehörten. Wenn die Auflösung des Flügels „Aufgehen“ in der AfD bedeute, müsse der Verfassungsschutz die gesamte Partei beobachten, fordert CSU-Generalsekretär Blume. Recht hat er.
