Wirtschaft

Pandemie-Programm: Der neue Schutzwall der EZB

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Startet ein neues Krisenprogramm: Die EZB in Frankfurt.

Rund um den Globus versuchen sich die Zentralbanken gegen die Transformation einer Wirtschaftskrise in eine Wirtschafts- und Finanzkrise zu stemmen. In der vergangenen Nacht war die Reihe an der EZB, die ein zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie gedachtes Anleihekaufprogramm über 750 Milliarden Euro ankündigte.

In der vergangenen Woche schon hatte die EZB mit großzügigen Kreditprogrammen für die Kreditwirtschaft signalisiert, dass sie die Banken so weit wie möglich aus der Schusslinie nehmen möchte. Jetzt signalisiert sie mit Anleihekäufen, dass sie das ihre tun will, um Spekulationen des Marktes auf eine Illiquidität von Staaten aus der Eurozone im Keim zu ersticken.

Die Reaktionen der Anleger kurz nach Handelseröffnung am Donnerstag zeigen, dass dieses Unterfangen zunächst einmal gelungen ist. Auch sollen die Unternehmen durch Anleihekäufe unterstützt werden. Die Bereitschaft der EZB, sich gegen die um sich greifende Unsicherheit zu wenden, ist verständlich.

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Aber auch der stattliche Umfang des neuen Programms kann nicht verdecken, dass Wertpapierkaufprogramme von Zentralbanken aus geldpolitischer Sicht zwar völlig legitime und gebräuchliche Instrumente darstellen, ihre Wirkung aber nach aller Erfahrung begrenzt ist. Schon in den vergangenen Jahren sind ihre Wirkungen von Anhängern wie Kritikern häufig überschätzt worden. Denn es ist nicht gesagt, dass die Schaffung von Liquidität durch Zentralbanken dort wirkt, wo sie zuvörderst gebraucht wird: in der Wirtschaft.

Auch ließen sich – bisher nur theoretische – Finanzierungsprobleme eines größeren europäischen Landes nicht mit einem solchen Programm dauerhaft beseitigen. Dafür bedürfte es anderer und geeigneterer Instrumente, die auf der europäischen Ebene zudem seit Jahren bereit stehen. Daher sollte sich niemand wundern, wenn die Wirkung des neuen EZB-Programms nur vorübergehend wäre.