Corona in der Türkei: Anwälte fordern Entlassung politischer Gefangener

Published 19/03/2020 in Ausland, Politik

Corona in der Türkei: Anwälte fordern Entlassung politischer Gefangener
Soldaten bewachen Mitte Februar das Gefängnis in Silivri bei Istanbul

In der Türkei haben Angehörige von Inhaftierten und Anwälte angesichts der Coronakrise die Freilassung von politischen Gefangenen gefordert. „Alle politischen Häftlinge, denen ohne Untersuchungshaft der Prozess gemacht werden kann, und die einem hohen Risiko ausgesetzt sind, sowie alle, die unbegründet gefangen gehalten werden, müssen sofort freigelassen werden“, hieß es in einem am Donnerstag verbreiteten Text, der der Deutschen Presseagentur vorliegt. Besonders gefährdet seien Inhaftierte ab 60 Jahren, Frauen mit Kindern und chronisch Kranke.

Der Anwalt des inhaftierten türkischen Intellektuellen Osman Kavala, Ilkan Koyuncu, kritisierte, die Maßnahmen gegen das Coronavirus in Gefängnissen seien ungenügend. Neue Hygieneschriften seien erforderlich, sagte er in einem Interview mit dem Onlinemedium T24. Er befürchte zudem, dass das Besuchsrecht der Anwälte wegen der Coronakrise ausgesetzt werde. Die Vereinigung für Medien- und Rechtsstudien (MLSA) erklärte zudem, sie habe die Freilassung von sechs Inhaftierten beantragt, darunter die des Deutschen Patrick K. und von türkischen Journalisten. Kavala ist seit mehr als zwei Jahren inhaftiert.

Patrick K. aus Gießen war Ende 2018 wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation zu einer Gefängnisstrafe von mehr als sechs Jahren verurteilt worden. Ebenfalls zu mehr als sechs Jahren wegen Terrorvorwürfen wurde die Kölner Sängerin mit dem Künstlernamen Hozan Cane verurteilt. In Untersuchungshaft sitzt zudem der Deutsch-Türke Enver Altayli (75).

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