Johnson und Rutte zu Corona: Das Ende der alternativen Krisenbewältigung

Published 19/03/2020 in Ausland, Politik

Johnson und Rutte zu Corona: Das Ende der alternativen Krisenbewältigung
Späte Einsicht: Premierminister Boris Johnson.

Als Boris Johnson am Mittwoch zum vorerst letzten Mal die „Fragen an den Premierminister“ beantwortete, hörten ihm nur noch ein paar Dutzend Abgeordnete zu, und die achteten darauf, dass sie zwei Meter voneinander entfernt saßen. Als am Tag darauf auch noch Königin Elisabeth II. bekanntgab, dass sie die Geschäfte ruhenlassen und sich für die nächsten Wochen auf Schloss Windsor zurückziehen werde, war spätestens klar, dass es mit der Normalität auch im politischen Bereich ein Ende hat. Der britische Sonderweg zur Bekämpfung des Coronavirus, der in Wahrheit nur ein Schleichpfad war, gehört der Vergangenheit an.

Wochenlang hatte das Königreich einen nicht völlig anderen, aber doch behutsameren Ansatz verfolgt. Ähnlich wie die Niederlande, mit denen es schon zu gemeinsamen EU-Zeiten die größten Übereinstimmungen gab, bemühte sich Großbritannien um vermeintlichen Pragmatismus. Anders als der brasilianische Präsident Bolsonaro oder anfangs Trump sprach Johnson nie von „Hysterie“, aber radikale Einschränkungen des öffentlichen Lebens wurden von ihm und seinen beiden medizinischen Chefberatern als unverhältnismäßig, wenn nicht kontraproduktiv bezeichnet.

Die britische Regierung drehte erst spät bei

Auf Großveranstaltungen, hieß es lange Zeit, würden die Infektionen nicht sprießen- das Virus verbreite sich eher „am kleinen Ort“, dort, wo Familien und Freunde zusammensäßen. Erst als Veranstalter wie die Premier League eigenmächtig Entscheidungen trafen, drehte auch die Regierung bei. Sie verbot zwar keine Massenzusammenkünfte, rief aber die Bürger auf, sich davon fernzuhalten, und stellte auch kein öffentliches Personal mehr zur Unterstützung ab.

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