Politik

Bernie Quijote?: Sanders muss sich jetzt fügen

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Verschnupft? Bernie Sanders bei der Fernsehdebatte mit Joe Biden am Sonntag in Washington

Die Vorwahlen sind nicht dann zu Ende, wenn es die Parteiführung für opportun hält. Aber wenn die Lage sich so aussichtslos darstellt wie jetzt für Bernie Sanders, dann sollte die Einsicht in das Unvermeidliche über störrisches Ich-mache-weiter obsiegen. Auch die Vorwahlen in den Bundesstaaten Arizona, Florida und Illinois hat der frühere Vizepräsident Joe Biden für sich entschieden, der damit seinen Vorsprung bei den Delegiertenstimmen weiter kräftig ausbauen konnte.

Nur noch theoretisch könnte Sanders aufholen, praktisch ist der Zweikampf zwischen Biden, dem Mann der Mitte, und dem linken Sanders mehr oder weniger entschieden. Was das Wichtigste an diesem weiteren Vorwahltag war: Biden hat bewiesen, dass er nicht nur bei älteren und schwarzen Wählern der Demokratischen Partei ankommt – er hat seine Wählerbasis demographisch ausgeweitet. Das ist ein entscheidendes Signal für den Hauptkampf am 3. November gegen Donald Trump. Wäre es jedenfalls.

Sanders ist und bleibt Dissident

Angesichts des Laufs, den Biden hat, ist es völlig klar, dass und warum der Druck auf Sanders wächst, jetzt aufzugeben und nicht weiter Ressourcen und Energie zu vergeuden. Denn aus Sicht der Demokraten ist es notwendig, eher früher als später mit der innerparteilichen Versöhnung zu beginnen und sich ganz auf das „strategische“ Ziel zu konzentrieren, eine zweite Amtszeit Trumps zu verhindern, und zwar mit einem Kandidaten, der mehrheitsfähig ist.

Doch Sanders, der schon 2016 der späteren Kandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, das Leben bis zuletzt schwer gemacht hatte, scheint nicht an Aufgabe zu denken. Er ist und bleibt der Dissident, der er zeitlebens im Kongress gewesen ist, dem er immerhin seit 1991 angehört: störrisch, dogmatisch, wider den Mainstream, ob in der Innen- oder in der Außenpolitik (was nicht heißen soll, dass er nicht hier und da recht hatte).

Aber sein revolutionärer Veränderungseifer wird nicht von der Mehrheit der demokratischen Wähler geteilt, und er würde erst recht nicht vom Elektorat als Ganzem geteilt werden. Das ist ja der Grund, warum sich Trump einen Herausforderer Sanders wünscht: weil er den ziemlich leicht in die Ecke des unamerikanischen Radikalen stellen und entsprechend diffamieren könnte.

Bernie Sanders wird sich also bald entscheiden müssen, wie er es mit der Zukunft des Landes hält. Er hat es in der Hand, ob er als erfahrungsresistenter Don Quijote der amerikanischen Politik in Erinnerung bleiben wird.