
Vierzehn Monate – sollte das Abkommen eins zu eins umgesetzt werden, das die Vereinigten Staaten am Samstag mit den Taliban geschlossen haben, dann werden die letzten ausländischen Soldaten Afghanistan in vierzehn Monaten verlassen. Der längste Krieg in der Geschichte der Vereinigten Staaten hätte dann ein Ende gefunden, nach knapp zwanzig Jahren und ungezählten Toten.
Dass es tatsächlich so kommen wird, wollte am Samstag aber noch niemand mit hinreichender Gewissheit voraussagen. Und so waren die amerikanischen Reaktionen an diesem historischen Tag auch nur bedingt von Überschwänglichkeit geprägt. Die Regierung von Donald Trump rühmte sich in einer Stellungnahme zwar, der Präsident erfülle sein Versprechen, amerikanische Soldaten aus „endlosen Kriegen“ nach Hause zu holen, und setze sich für Frieden in Afghanistan ein. In einer Pressekonferenz am Samstag sagte Trump sogar, er sei bereit, sich in „nicht allzu ferner Zukunft persönlich mit Taliban-Führern zu treffen“. Aber der Präsident hatte am Vorabend der Unterzeichnung des Abkommen auch gesagt, es sei nun „am afghanischen Volk, sich über seine Zukunft einig zu werden“ – und da sind noch eine ganze Reihe von Hürden zu überwinden.
Ähnlich ambivalent äußerte sich Außenminister Mike Pompeo, den der Präsident nach Qatar entsandt hatte. Pompeo wohnte dort der Vertragsunterzeichnung bei, die vom amerikanischen Sonderbeauftragten Zalmay Khalilzad und Abdul Ghani Baradar, dem Leiter des politischen Flügels der Taliban, im Beisein von Vertretern aus rund 30 Staaten vorgenommen wurde. „Wir stehen erst am Anfang“, sagte Pompeo kurz vor der Zeremonie in einer Ansprache. Die innerafghanischen Friedensverhandlungen, die nun einsetzen sollen, würden „harte Arbeit und Opfer von allen Seiten“erfordern. Und er hob hervor, was auch der gleichzeitig nach Kabul entsandte Verteidigungsminister Mark Esper bekräftigte: Das Abkommen sei davon abhängig, dass die Taliban ihre Zusicherungen auch umsetzten – Washington sei bereit, den Abzug zu stoppen, sollten sie wortbrüchig werden.
Viele Taliban-Kämpfer sind kriegsmüde
Dennoch könnte es sich um einen entscheidenden Schritt handeln auf dem Weg zu einer Beendigung des seit Jahrzehnten währenden Kriegszustands in Afghanistan. Seit September 2018 haben die Amerikaner mit den Taliban in der qatarischen Hauptstadt Doha verhandelt – nachdem sich bei allen Seiten die Erkenntnis durchgesetzt hatte, dass sie diesen Krieg mit militärischen Mitteln wohl nicht gewinnen können. Anfang September 2019 stand man kurz vor dem Abschluss eines Abkommens, doch dann blies Trump die Sache in letzter Minute per Twitter-Mitteilung ab. Der Anlass war, dass bei einem Anschlag der Taliban in Kabul ein amerikanischer Soldat ums Leben gekommen war- aber ursächlich dürfte auch gewesen sein, dass es erheblichen Widerstand gab – nicht nur innerhalb seiner eigenen Administration, sondern auch von Seiten der afghanischen Regierung, die ihre Interessen nicht genügend berücksichtigt sah und militärisch unter die Räder zu kommen fürchtete.
