Ausland

China-Rückkehrer in Ukraine: Wutausbruch gegen die eigenen Leute

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Hunderte Polizisten waren am Donnerstag in Nowi Sanschary im Einsatz.

Fotos und Videos dokumentieren den Ausnahmezustand, der am Donnerstag in Nowi Sanschary, einer kleinen Stadt dreihundert Kilometer südöstlich von Kiew, herrschte: Auf den Straßen stapelten sich Reifen und brannten Barrikaden, Hunderte Polizisten stellten sich in schwerer Montur aufgebrachten Demonstranten entgegen, die Visiere heruntergeklappt und Schutzschilde in der Hand. Grund des Zorns waren die sechs weißen Busse, die auf manchen Bildern zu sehen sind. Einige hatten gesplitterte Fensterscheiben, weil wütende Demonstranten Steine geworfen hatten.

Wenige Stunden zuvor waren 72 Rückkehrer aus der chinesischen Region Hubei, dem Ausbruchsort des Coronavirus, in Charkiw gelandet. Die zweiwöchige Quarantäne sollen die 45 Ukrainer, unter ihnen ein acht Jahre altes Kind und Studenten, 27 andere Staatsbürger sowie die 22 Crew-Mitglieder in einem Krankenhaus der Nationalgarde in Nowi Sanschary verbringen. Doch in der Zehntausend-Einwohner-Stadt stellten sich im Laufe des Donnerstags Hunderte Demonstranten den Bussen entgegen. Einige waren aus anderen Orten angereist. Am Ende des Tages meldete die Polizei 24 Festnahmen und mehrere Verletzte.

Unter den aus China Ausgeflogenen, die vor dem Abflug und nach der Landung getestet wurden, gibt es bisher keinen bestätigten Coronavirus-Fall. Sie werden unter ständiger medizinischer Überwachung für zwei Wochen in Einzelzimmern untergebracht. In der Ukraine sind noch keine Erkrankungen am sogenannten Covid-19-Erreger bekannt. Dennoch sperrten auch in der Westukraine Demonstranten aus Angst vor dem Virus eine Fernstraße, weil ein Gerücht nahegelegt hatte, in der Nähe würden China-Rückkehrer untergebracht. Der ukrainische Geheimdienst SBU teilte mit, dass aus dem Ausland gefälschte E-Mails verschickt worden seien, in denen angeblich das Gesundheitsministerium über Coronavirus-Infektionen im Land informiere.