
Die ganze Hilflosigkeit der Europäer angesichts des Geschehens in Syrien kommt in einer Formulierung in der EU-Erklärung zu den Kämpfen in Idlib zum Ausdruck: „Nicht hinnehmbar“ sei die militärische Offensive des syrischen Regimes und seiner Unterstützer, die dort großes menschliches Leid verursacht.
Dasselbe war in den vergangenen Jahren schon über so vieles zu sagen: den Einsatz chemischer Waffen, die Fassbomben auf Wohnviertel, den gezielten Beschuss von Krankenhäusern. Und doch hat die Europäische Union das alles hingenommen. Was sollte sie auch tun?
Die einzige und auch nur theoretische Möglichkeit, etwas gegen den Vormarsch der Regierungstruppen in Idlib zu tun, wäre eine militärische Unterstützung der Türkei – und damit eines Herrschers, der mit seiner Einmischung in den syrischen Bürgerkrieg eine gehörige Mitschuld an der gegenwärtigen Lage trägt. Bei Assad und seinen russischen Verbündeten treffen Appelle an die Menschlichkeit ohnehin auf eine Leerstelle.
Hätte die EU zu Beginn des Aufstands gegen das Assad-Regime schon jene „Sprache der Macht“ gesprochen, die zu lernen sie sich nun vorgenommen hat, wäre es vielleicht möglich gewesen, die große Tragödie einzudämmen. Nun sollte sie wenigstens die politischen und wirtschaftlichen Kosten in die Höhe treiben, die Russland für seine Politik zu zahlen hat- und so viel wie möglich tun, um das von Putin und Assad verschuldete Leid zu lindern.
