Junge Klimaaktivisten: „Wir sind doch viele“

Published 08/12/2019 in Inland, Politik

Junge Klimaaktivisten: „Wir sind doch viele“
Greta Thunberg inmitten von Gleichgesinnten: Bei der 25. UN-Klimakonferenz in Madrid nahm die Klimaaktivistin am Abend des 6. Dezembers 2019 auch am Protestmarsch teil.

Alle schauen auf Greta Thunberg. Doch es gibt inzwischen überall junge Klimaaktivistinnen, die ihr folgen. Sie alle sind des Lobes leid – und wollen endlich Taten sehen.

Greta Thunberg ist 1,62 Meter groß. Licypriya Kangujam ist fast noch einen Kopf kleiner – und mit acht Jahren auch nur halb so alt wie die schwedische Klimaaktivistin. Gemeinsam mit der Inderin machte die Schwedin ihren ersten Rundgang durch die Hallen der UN-Klimakonferenz COP25 in Madrid. Die große Aufmerksamkeit, die sie bei Thunbergs Überraschungsbesuch erregte, nutzte Kangujam: Sie hielt ein Schild in die Kameras, auf dem sie den indischen Premierminister Narendra Modi auffordert, ein Gesetz zum Kampf gegen den Klimawandel endlich im Parlament zu verabschieden. „Handeln Sie jetzt!“, steht gleich zweimal darauf.

Greta Thunberg ist auch in Madrid der Star der „Fridays for Future“-Bewegung, die sie mit ihrem Schulstreik in Gang gesetzt hatte. Alles fing in Europa an, wo bisher auch die wichtigsten Klimakonferenzen stattfanden. Aber Thunberg hat vor allem auf der südlichen Halbkugel der Erde Mädchen und junge Frauen inspiriert, die ihrem Beispiel folgen und in ihren Ländern Pionierinnen wurden. Bei ihrer bisher einzigen Pressekonferenz in Madrid ließ sich beobachten, wie Thunberg zornig wurde. Obwohl sie mit zwei spanischen Aktivisten und der Uganderin Vanessa Nakate auf dem Podium saß, stellten die mehr als 400 Journalisten nur ihr Fragen. Professionell reichte sie die Fragen weiter: „Wie seht ihr das?“

Sie sei „nur ein kleiner Teil einer sehr großen Bewegung. Wir brauchen mehr Klimaaktivisten“, sagte Thunberg auf der Pressekonferenz. In einem Interview mit der schwedischen Zeitung „Aftonbladet“ bezeichnete sie den Rummel um sie „absurd“- sie versuche, darüber zu lachen und ihn für ihre Ziele zu nutzen. „Ich mag es nicht, die ganze Zeit im Mittelpunkt zu stehen, aber es ist eine gute Sache. Sobald die Medien über mich schreiben, müssen sie auch über die Klimakrise schreiben.“ Egal, wo sie auftritt, alles dreht sich um sie. Den Klimamarsch am Freitagabend musste sie verlassen, weil die Menschentraube um sie herum zu groß war und verhinderte, dass sich der Zug in Bewegung setzen konnte. Stolz verkündete Thunberg bei der Abschlusskundgebung, dass eine halbe Million Menschen mitmarschiert sei. Die Polizei zählte nur 15.000 Teilnehmer. Die Zeitung „El País“ sprach von höchstens 35.000 Demonstranten.

Sie sprechen für die ganze Welt

In ihren Reden in Madrid stellen die Politiker die jungen Aktivisten als Vorbild und Ansporn dar. „Wir sind dieses Lobes leid. Wir wollen, dass ihr endlich handelt“, sagt die Uganderin Nakate. Im Internet war sie auf Thunbergs Schulstreik aufmerksam geworden. So begann sie in Uganda an einem Sonntag allein zu streiken und zu demonstrieren – weil sie nicht bis zum Freitag warten wollte, dem Aktionstag von „Fridays for Future“. „Ich spreche für Afrika, ich spreche für die Welt“, sagt sie selbstbewusst über sich. Dabei liegt das Gespräch mit einem ihrer Onkel, das sie wachgerüttelt hat, noch nicht lange zurück: Er erzählte ihr, dass es in Uganda früher viel häufiger geregnet habe. Zu Beginn des Jahres, wenn der meiste Regen fallen sollte, war es sehr heiß. Sie beunruhigt, dass sich einst fruchtbare Felder in Wüstenlandschaften verwandeln.

–>

„Wir sollten nicht nur über die Zukunft sprechen, sondern auch über die Gegenwart“, ermahnte Nakate Greta Thunberg. Viele junge Afrikaner hätten bisher nicht gewusst, dass die aktuellen Veränderungen in ihrer Umwelt mit dem Klimawandel zu tun haben. „Sie waren schockiert, das zu hören.“ Mittlerweile hat die „Fridays for Future“-Bewegung auch in Uganda Fuß gefasst und organisiert sich mit Slogans wie „Keep Mama Africa Green“.

Licypriya Kangujam, die aus Manipur kommt, hat ihren Schulstreik begonnen, als sie sieben Jahre alt war. Sie könne nicht weiterlernen, sondern müsse ihre Stimme erheben, um die Zukunft zu retten, bevor es zu spät sei. „Mein Leben fängt an, während die Welt ihrem Ende entgegengeht.“ Kangujam hat viele Anhänger und organisiert mit ihnen Demonstrationen im ganzen Land. „Viele Leute unterschätzen mich, weil ich gerade einmal acht Jahre alt bin. Aber das Alter spielt keine Rolle“, sagt das Mädchen, das im September mit dem World Children Peace Prize ausgezeichnet worden ist.

Bei ihren Aktionen ist sie kreativ. Vor einigen Wochen stellte sie zu Hause einen Rucksack vor, der den Träger mit Sauerstoff versorgt, wenn die Luft zu schlecht ist, wie das in Indien oft der Fall ist. Im durchsichtigen Rucksack befindet sich eine Pflanze. Von dort leitet ein Schlauch die „saubere“ Luft in eine Gesichtsmaske.

Print article

Leave a Reply

Please complete required fields