
Das Regime in Pjöngjang behauptet, auf der Abschussbasis Sohae einen strategisch wichtigen Test durchgeführt zu haben. Vor den Vereinten Nationen verkündet das Land eine Ende der Gespräche über nukleare Abrüstung.
Nordkorea heizt den Streit um sein Atomprogramm weiter an: Das abgeschottete Land meldete am Sonntag einen „sehr wichtigen Test“ auf seiner Abschussbasis Sohae. Das Ergebnis des Tests werde „wichtige Auswirkungen“ auf eine Veränderung der „strategischen Position“ Nordkoreas haben, erklärte ein Sprecher der nordkoreanischen Akademie für Verteidigungswissenschaften nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA. Nähere Einzelheiten zu dem Test wurden nicht genannt.
Von der Anlage Sohae waren 2012 und 2016 Trägerraketen mit Satelliten gestartet. International wurden die Starts als verschleierte Tests ballistischer Raketen gewertet und scharf verurteilt.
Festgefahrene Atomgespräche
Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un hatte bei einem Treffen mit Südkoreas Präsident Moon Jae-in im vergangenen Jahr zugesagt, Sohae zu schließen. Mit Amerikas Präsident Donald Trump hatte sich Kim grundsätzlich auf eine Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel verständigt, ohne allerdings konkrete Schritte zu vereinbaren. Bei ihrem Gipfel Ende Februar in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi erreichten Kim und Trump jedoch keine Einigung über Schritte zur atomaren Abrüstung Nordkoreas.
Seither sind die Atomgespräche zwischen den Vereinigten Staaten und Nordkorea in einer Sackgasse. Pjöngjang fordert von Washington Zugeständnisse bis Jahresende. Trump und der südkoreanische Präsident Moon Jae-in sprachen darüber am Wochenende am Telefon und kamen überein, dass die Gespräche mit Pjöngjang fortgeführt werden sollten, wie das südkoreanische Präsidialamt am Samstag bekanntgab. Beide schätzten demnach die Lage als „ernst“ ein.
Danach sprach der nordkoreanische UN-Botschafter aber von einem vorläufigen Ende der Gespräche über die Denuklearisierung seines Landes. Nordkorea müsse „jetzt keine langwierigen Gespräche mit den Vereinigten Staaten führen, und das Thema Denuklearisierung ist bereits vom Verhandlungstisch“, erklärte Kim Song am Samstag. Er warf den Europäern „Paranoia“ und Washington eine „feindselige Politik“ vor.
Nach einem Treffen des UN-Sicherheitsrats hatten die EU-Mitglieder Belgien, Estland, Frankreich, Deutschland, Polen und Großbritannien am Mittwoch Nordkoreas fortdauernde Tests ballistischer Raketen sowie die Fortsetzung seines Atomprogramms scharf kritisiert und gefordert, an den Sanktionen gegen Pjöngjang festzuhalten. UN-Diplomaten fürchten, das Land könnte seine Tests von Langstreckenraketen wieder aufnehmen, sollte es keine baldigen Fortschritte in den Gesprächen mit den Vereinigten Staaten geben.
