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Politiker im Stress: „Wenn man Schwäche zeigt, kann das brutal sein im politischen Geschäft“

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Wie anstrengt ist es, Politiker zu sein?

Wie viel Stress halten Politiker aus? Ein Gespräch mit dem SPD-Mann Edgar Franke über die Belastungen im Alltag eines Bundestagsabgeordneten – und wieso er seinen Job trotzdem noch gerne macht.

Herr Franke, Sie sind Bundestagsabgeordneter. Wie gesundheitsschädlich ist Ihr Job?

Er ist nicht unbedingt gesundheitsfördernd, das muss ich wirklich sagen.

Wir reden darüber, weil kürzlich gleich zwei Abgeordnete an einem langen Plenartag umgekippt sind.

Da hat man sehr gut gesehen, was den Stress ausmacht: das Gesamtpaket. Als nach dem CDU-Kollegen abends noch die Kollegin von der Linken umgefallen war, habe ich zu Kollegen gesagt: Eigentlich müssten wir die Sitzung abbrechen. Die Leute haben in der Gesamtschau dieser Woche zu viel.

Das Problem sind gar nicht so sehr die einzelnen langen Sitzungstage?

Der Job besteht zu neunzig Prozent nicht daraus, im Parlament zu sitzen. Wir haben den größten Teil des Jahres eine Sieben-Tage-Woche, volle Düse. In den Sitzungswochen bin ich von Montag bis Freitag in Berlin, gehe morgens um halb neun ins Büro und bleibe regelmäßig bis abends um zehn. Oder abends ist noch eine Veranstaltung, dann wird es später. Am Wochenende geht es für mich als Direktabgeordneten der SPD weiter. Mein Wahlkreis in Nordhessen ist sehr groß, mit dem Auto brauche ich zwei Stunden, um ihn zu durchqueren. Oft habe ich Freitagabend noch Termine, Samstag und Sonntag ebenfalls, und Sonntagabend geht es wieder nach Berlin. Immerhin frühstücke ich sonntags lange mit meiner jüngeren Tochter, die noch zur Schule geht. Ich bin alleinerziehender Vater, weil meine Frau vor zweieinhalb Jahren gestorben ist.

Was stresst Sie an den Terminen?

Man muss die verschiedensten Themen draufhaben. Von der Pflege über verpflichtende Masernschutzimpfungen, die Reform der Opferentschädigung bis hin zu Fragen aus dem Wahlkreis wie die Abschaffung von Anliegerbeiträgen. Alles Themen, auf die man sich ständig vorbereiten muss. Ich habe zwar Mitarbeiter, aber ich muss das ja alles nachvollziehen. Und dann brauche ich immer ein sauberes Hemd und einen passenden Schlips und muss den Anzug rechtzeitig in die Reinigung bringen, das kommt ja noch dazu.

Sie waren Vorsitzender im Gesundheitsausschuss, jetzt sind Sie dort Berichterstatter Ihrer Fraktion.

Der größte Stress, den ich immer empfunden habe: Fachdiskussionen während der Sitzungswoche. Da sitzt du mit Leuten zusammen, die seit Jahren jede Feinheit eines Themas bearbeiten, die Finanzierung der Krankenkassen, die Fallpauschalen im Krankenhaus. Du bist gut vorbereitet, aber du wirst möglicherweise auf deine Schwächen hingewiesen. Im Parlament geschieht das auch, teilweise sehr persönlich. Der zusammengebrochene CDU-Kollege kürzlich hat eine gute Rede gehalten. Aber als er nicht mehr weiterreden konnte, gab es auch hämisches Lachen.

Hat sich der Stress durch die AfD verschlimmert?

Wenn man die AfD angeht, feuert die sehr persönlich zurück. Außerdem hat sich das Programm verdichtet, nicht nur durch die AfD, die FDP ist ja auch wieder dabei. Es gibt mehr Anträge, eine große Themenspreizung. Am Donnerstag tagen wir oft bis nach Mitternacht. Wir haben Präsenzdienste für die Landesgruppen eingeführt. Ich saß jetzt auch ein paar Mal nachts, weil die Hessen Dienst hatten.