
Seit fünf Jahren werden in Mexiko 43 Studenten vermisst. Die Justiz behauptet, der Fall sei geklärt. Nun wird er trotzdem noch einmal neu aufgerollt.
In der mexikanischen Ortschaft Tepecoacuilco haben Suchtrupps begonnen, eine Müllhalde umzugraben. Sie hoffen dort Antworten über den Verbleib der 43 Studenten des Lehrerseminars in Ayotzinapa zu finden, die seit 2014 vermisst werden. „Der Ort ist wichtig, sehr wichtig“, sagte der Untersekretär für Menschenrechte der mexikanischen Regierung, Alejandro Encinas. Mehr war bisher nicht über die Suche zu erfahren. Der Ort liegt nur unweit von der Stelle, an der sich die Spur der 43 Studenten verlor. Sie befanden sich am 26. September 2014 auf dem Weg von der Stadt Ayotzinapa Richtung Hauptstadt, als sie in der Stadt Iguala im Bundesstaat Guerrero von Polizisten abgefangen und angegriffen wurden. Die Polizei soll die Studenten an ein lokales Drogenkartell übergeben haben, das sie tötete und verbrannte – so lautete der Untersuchungsbericht, den der damalige Generalstaatsanwalt Jesús Murillo Karam als „historische Wahrheit“ präsentierte. Doch ausländische Fachleute und Forensiker widerlegten diese Darstellung.
Noch immer weiß Mexiko nicht, was mit den 43 Studenten geschehen ist. Doch nun soll der Fall ein weiteres Mal aufgerollt werden. Das kündigte der zuständige Staatsanwalt Omar Gómez am Jahrestag des Verschwindens an. Von dieser Woche an sollen ehemalige Funktionäre verhört werden, die damals für die Ermittlungen im Fall zuständig waren. Unter anderen auch Karam. Die Rolle der ehemaligen Ermittler ist ebenso ungeklärt wie jene der Armee, die ebenfalls mit dem Fall in Zusammenhang gebracht wird. Alle Spuren und Richtungen der Ermittlungen würden wieder aufgenommen, sagte Gómez.
