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Auf Flaschen nicht angegeben: Warum aus spanischen Oliven oft italienisches Olivenöl wird

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Im spanischen Andalusien werden die Oliven angebaut, bevor ein Teil davon nach Italien gekarrt wird.

Aus Spanien kommt fast die Hälfte des Olivenöls auf der Welt. Für diese Saison zeichnet sich wieder eine Rekordernte ab.

Das Meer der knorrigen Bäume reicht bis zum Horizont. Wie ein Netz überziehen sie die Ebenen und Anhöhen. „Land der gekämmten Hügel“ nannte der spanische Dichter Antonio Machado die Provinz Jaén. Die meisten der mehr als 300 Millionen Olivenbäume in Spanien wachsen in der andalusischen Provinz, aus der ein Fünftel des Olivenöls auf der ganzen Welt kommt. Und es werden jedes Jahr mehr. In Reih und Glied gepflanzte neue Bäume verdrängen die letzten Getreidefelder. Das lässt sich gut vom Zug aus beobachten. Der Hochgeschwindigkeitszug AVE fährt auf seinem Weg nach Córdoba und Sevilla an Jaén vorbei. Die Bummelbahn aus Madrid braucht auf der eingleisigen Strecke mehr als vier Stunden in die Kleinstadt, die sich stolz „Welthauptstadt des Olivenöls“ nennt, denn hier sprudelt der spanische Ölreichtum.

Auch für die abgelaufene Saison, die Ernte dauert von Ende Oktober bis März, zeichnet sich ein neuer Rekord ab. Während in Italien, Griechenland, Tunesien und der Türkei die Erträge um mehr als ein Drittel zurückgingen, trugen die spanischen Ölbäume so viele Oliven wie selten zuvor. Trotzdem können sie die Nachfrage kaum stillen: In den vergangenen drei Jahrzehnten ist die Produktion und der Konsum von Olivenöl auf der Welt um 50 Prozent gestiegen.