
Steaks und Würste sind nicht nur lecker. Sie können auch Allergien auslösen und erhöhen das Risiko eines Herzinfarkts oder eines Schlaganfalls. Woran liegt das – und gibt es bessere Alternativen?
Eine unheimliche Vorstellung: Urplötzlich tritt ein juckender Ausschlag auf, es sieht aus, als sei man in Brennnesseln gefallen. Die Diagnose: eine Allergie gegen einen Zucker im roten Fleisch. Manche Patienten bekommen nur den Ausschlag, Nesselsucht genannt, andere gar einen lebensbedrohlichen allergischen Schock. „Die Patienten sind immer überrascht, wenn ich ihnen die Diagnose sage“, sagt Tilo Biedermann, Chef-Allergologe an der Technischen Universität in München. „Wir Ärzte kennen die Allergie aber auch erst seit zehn Jahren, und so manch ein Kollege übersieht sie noch heute.“
Früher hatten Allergologen immer wieder Patienten mit allergischem Ausschlag und fanden keine Ursache dafür. Medikamente nahmen die Patienten nicht, und sie konnten sich an keine Insektenstiche erinnern – beides kann eine Nesselsucht auslösen. Erst der Allergologe Thomas Platts-Mills aus den Vereinigten Staaten löste das Rätsel über ziemliche Umwege: Es liegt an einem Zucker namens α-Gal. Platts-Mills kam darauf, weil er die Ursache einer Überempfindlichkeit klären wollte. Einige Krebspatienten, die den Antikörper Cetuximab bekamen, reagierten ziemlich heftig auf das Medikament mit Nesselsucht, Atemnot und Ohnmacht. Irgendetwas musste an diesem Cetuximab-Molekül so fremd für den Körper sein, dass er darauf mit einer Allergie reagierte, vermutete Platts-Mills.
