Gesellschaft

Deutsche im Urlaub: Das Benehmen macht Ferien

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Deutsche Fußballfans 2008 an der Playa de Palma auf Mallorca

Viele Schlagzeilen gab es auch diesen Sommer wieder über deutsche Touristen, die sich im Urlaub daneben benommen haben – manche sind dabei sogar straffällig geworden.

Das wichtigste Urlaubsziel der Deutschen ist Deutschland. Und doch gibt es keinen südlichen Ferienort, an dem man deutschen Touristen mit ihrem harten Akzent im Englischen und dem weichen Handtuch für die Liege am Schwimmbecken entkommen würde. Dort bestätigen sie gern alle Klischees über Deutschland. Schlimmer noch: Viele skurrile Fälle dieses Sommers zeigen, dass deutschen Touristen die Hitze allzu oft zu Kopf gestiegen ist.

„Wir wollen niemand in den Schatten stellen, aber wir verlangen auch unseren Platz an der Sonne“, sagte der Politiker Bernhard von Bülow in einer Reichstagsdebatte 1897. Deutsche Touristen mögen sich auf diese koloniale Parole berufen haben, als sie im April auf der griechischen Insel Kreta versuchten, ihren Platz an der Sonne nicht mit einem Handtuch, sondern mit einer deutschen Flagge zu markieren.

Kaffeekochen kann teure Strafen bringen

Zwei 23 Jahre alte Männer wurden in Chania zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt, weil sie bei einer Wandertour die auf einem Felstableau gehisste griechische Flagge abnahmen und gegen eine deutsche austauschten. Zu ihrer Verteidigung führten sie vor Gericht an, dass sie immerhin versucht hatten, die griechische Fahne vor dem Davonfliegen zu bewahren, und sie mit einem Stein beschwert auf den Boden legten. Eine Strafminderung gab es dafür aber nicht.

Für zwei deutsche Rucksacktouristen in Venedig blieb es nicht bei einer Geldstrafe. Im August kochten sie an der Rialtobrücke gemütlich einen Kaffee, als die italienische Polizei auf sie zukam. Knapp 1000 Euro mussten die 32 und 35 Jahre alten Berliner zur Strafe zahlen, und sie mussten die Stadt verlassen.

Die Verärgerung könnte im genussverliebten Italien darauf zurückzuführen sein, dass es ein Affront gegen den guten Geschmack ist, wenn man Kaffee in einem Gaskocher am Wegesrand zubereitet. Tatsächlich sind es jedoch strengere Gesetze, die das historische Erbe besser gegen die Touristenmassen schützen sollen. Denn viele gehen respektlos mit den Kulturstätten um.

Auch Promis sind straffällig geworden

Das Bild einer anderen Brücke wurde nicht durch Kaffee beschmutzt – sondern durch fünf Meter breite und zwei Meter hohe Graffiti zweier deutscher Touristen. Sie wollten sich auf der Karlsbrücke in Prag verewigen. Der türkisfarbene und schwarze Schriftzug auf einer der ältesten Steinbrücken Europas mutet eher wie Kindergartengekritzel denn wie ein Kunstwerk an. Die beiden 23 und 30 Jahre alten Urheber wurden auf frischer Tat ertappt. Sie entkamen der drohenden Haft und wurden zu einer Geldbuße von jeweils knapp 3900 Euro verurteilt, Sanierungskosten noch nicht eingerechnet.

Der Fall hielt die Medien jedoch weiter in Atem, da die Reinigung eigenmächtig von einem Mann in die Hand genommen worden war, der vor seinen Tagen als Besitzer einer Firma zur Graffitibeseitigung mehrere Jahre in Haft saß, weil er einen Doppelmord begangen hatte. Bevor seine Vergangenheit bekannt wurde, war er wegen seiner heldenhaften Reinigungstat schon berühmt geworden- sogar für staatliche Ehrungen wurde er vorgeschlagen. Nun darf der Neunundvierzigjährige nach langen Diskussionen immerhin einen Workshop über effektive Graffitibeseitigung im Prager Rathaus leiten.

Heidi Klum und ihr frisch vermählter Gatte Tom Kaulitz sind der wohl prominenteste Fall deutscher Touristen, die sich in diesem Sommer als Urlauber danebenbenommen haben. Einen Tag nach ihrer glamourösen Hochzeit auf einer Yacht vor Capri ließ sich das Paar mit rund 20 Gästen auf einem Boot in die Blaue Grotte bringen. Wegen der Überflutungsgefahr ist es verboten, dort zu schwimmen.

Die Hochzeitsgesellschaft aber tauchte ein. Kluge Carabinieri schlossen am Ausgang der Grotte von den nassen Haaren auf den nicht erlaubten Badespaß. Als Strafe sollen Klum und Kaulitz nun ein Bußgeld von 6000 Euro zahlen müssen.

Viel mehr wird am Platz an der Sonne in diesem Sommer wohl nicht mehr passieren. Bald sind die Ferien ja vorbei.