Gesellschaft

Tampons aus Bio-Baumwolle: Chemiefreie Tage

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Für chemiefreie Tage: Entrepreneurin Julia Steigerwald präsentiert ihre Tampons.

In einer Liste über Plastikmüll stehen Tampons ganz oben. Daraus entwickelt eine junge Publizistin ein Geschäftsmodell: Tampons aus Bio-Baumwolle. Sie weisen noch eine Besonderheit gegenüber der Konkurrenz auf.

Seitdem Plastik bei vielen Verbrauchern auf dem Index steht, kommt beinahe jeder Alltagsgegenstand auf den Prüfstand – und so mancher wird mit dem Anspruch auf mehr Nachhaltigkeit neu erfunden. Das war auch das Ziel von Julia Steigerwald, die seit knapp zwei Jahren mit Tampons aus reiner Biobaumwolle auf dem Markt ist, die sie im Abonnement online und neuerdings auch in den Biosupermärkten von Alnatura verkauft. Mittlerweile beschäftigt ihr Start-up Juno & me, das seinen Sitz bei Steigerwalds früherem Arbeitgeber Vicampo im Mainzer Zollhafen hat, acht Mitarbeiterinnen.

Auf ihre Geschäftsidee war die 33 Jahre alte Gründerin, die Publizistik studiert hat, durch die Lektüre eines Artikels über Plastikmüll gestoßen. Dass dort Tampons oben auf der Liste standen, machte sie stutzig. „Durch lange Recherche fand ich heraus, dass in meinen bisher benutzten Tampons eine Menge Chemiefasern und Plastik steckt“, sagt Steigerwald. Neun von zehn Frauen wüssten nicht, aus welchem Material die Hygieneprodukte gemacht seien, die Hersteller sind nicht verpflichtet, deren Inhaltsstoffe zu deklarieren. Biologisch abbaubare Baumwolle ist seltener darunter als viele meinen, stattdessen werden Tampons aus Chemiefasern und Polyester gefertigt. Im Kontakt mit Schleimhäuten könnten solche Inhaltsstoffe auch direkt in den Blutkreislauf der Frauen gelangen, sagt Steigerwald.

Göttin der Weiblichkeit

Einmal aufgeklärt, suchte sie in Läden erfolglos nach Alternativen. Also schloss sie sich mit Kerstin Bonni und Hanna Weig zusammen, inzwischen ist auch die Influencerin Hanna Schlönvoigt mit an Bord. Den Namen für ihr Start-up, Juno & me, leiteten die Frauen von der römischen Göttin der Weiblichkeit ab.

Viele Menschen hätten falsche Vorstellungen vom Gründen, sagt Steigerwald. Sie hingegen habe durch ihre Zeit beim Weinhändler Vicampo viel Expertise mitnehmen können und damals schon gemerkt, dass „Gründen nicht sexy ist“. Anfänglich machte sie den alten Job weiter und stemmte parallel den Aufbau der neuen Firma. Das seien lange Arbeitstage gewesen, auf die schönen Seiten des Lebens musste sie eine Zeitlang verzichten.

Produktsicherheit steht obenan

Juno & me ist nicht der einzige Anbieter chemiefreier Tampons, Mylily aus Hamburg, The Female Company aus Stuttgart und Einhorn aus Berlin wollen ebenfalls in diese Marktnische, die Mainzerinnen sind unter ihnen ein eher teurer Anbieter. Der größte Unterschied zur Konkurrenz sei die Produktion in Deutschland, erklärt Steigerwald. Sie habe Fabriken in ganz Europa angeschaut, bis ihre Wahl auf eine einheimische Fabrik fiel. „Produktsicherheit hat bei Hygieneprodukten oberste Priorität“, findet die Gründerin. Für die Juno-Tampons werde ausschließlich biologische Baumwolle aus der Türkei verarbeitet, die dem Global Organic Textile Standard (GOTS) entspreche. Seit dem Start des Online-Shops im Mai vergangenen Jahres wachse das Mainzer Start-up monatlich um 25 Prozent. Dass es die Tampons seit diesem Mai bei Alnatura gibt, sollte das Wachstum deutlich steigern.

Dann wollen die Unternehmerinnen noch weitere Hygieneprodukte für Frauen in ihr Sortiment aufnehmen, und sie planen, ein verstecktes Thema lauter zu machen: Frauen sollten wissen können, mit welchen Materialien sie sich umgeben. Mit einer Petition, die sie an Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) schickten, plädieren sie für eine Deklarationspflicht der Inhaltsstoffe von Hygieneprodukten.