
Die Nachricht, dass Kapitänin Carola Rackete aus dem Hausarrest entlassen wurde, hat ein junger Frankfurter besonders gefeiert. Denn Manos Radisoglou unterstützt die Arbeit von Sea-Watch – allerdings aus der Luft.
Das Leben darf auch nach Erdbeerkuchen mit Sahne schmecken. Das musste Manos Radisoglou in den vergangenen Monaten erst wieder lernen. Denn auf seine Netzhaut haben sich Bilder eingebrannt, die mit Obstkuchen-Momenten wenig zu tun haben. Der 31 Jahre alte Frankfurter ist Mitglied einer Humanitären Piloteninitiative, die die Organisation Sea-Watch unterstützt. Einmal im Monat reist Radisoglou nach Italien, um mit der kleinen Propellermaschine der Initiative den Mittelmeerraum abzusuchen. Er hält dann Ausschau nach überfüllten Booten, mit deren Hilfe Flüchtlinge versuchen, europäisches Land zu erreichen. Im Zick-Zackkurs steuert er das Flugzeug über das Wasser.
„An manchen Tagen habe ich bis zu 20 Boote aus der Luft gezählt“, sagt Radisoglou. Viele davon seien schon leer gewesen. Gekentert. Von den Menschen, die vorher darin saßen, keine Spur mehr. Um die staatlichen und zivilen Organisationen bei der Seenotrettung zu unterstützen, organisiert die Piloteninitiative eine zivile Luftaufklärung über dem Mittelmeer. Ziel ist es, die Position und den Zustand der Flüchtlingsboote der Rettungsleitstelle in Rom und den Hilfsorganisationen vor Ort zu melden, damit diese weitere Schritte einleiten können.
