
Die niedrigen Zinsen haben nicht nur Folgen für die Sparer. Sie begünstigen auch mächtige Digitalkonzerne – und machen alle anderen ärmer. Ein Gastbeitrag.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat jüngst einen Zusammenhang zwischen Digitalisierung, Marktmacht und Ungleichheit hergestellt. Demnach führt die Digitalisierung vor allem bei Digital-Konzernen wie Google, Facebook und Amazon zu wachsender Marktmacht, aber auch bei Banken. Die neuen Giganten verknappen die Produktion, um durch höhere Preisaufschläge die Gewinne zu erhöhen. Produktivitätsgewinne und Wachstum sinken. Die Monopolrenten fließen einigen wenigen Kapitalbesitzern zu, so dass die Ungleichheit steigt.
Der IWF liefert damit eine Erklärung für weltweit sinkende Produktivitätsgewinne und wachsende Ungleichheit, die spätestens seit der Jahrtausendwende den Nährboden für politische Polarisierung bilden. Das erinnert an Karl Marx, der technischen Fortschritt mit der Verelendung breiter Bevölkerungsschichten in Verbindung brachte. Bei Adam Smith gilt hingegen, dass technischer Fortschritt – hier also die Digitalisierung – zu wachsender Produktivität und Wohlstand führt. Der Widerspruch löst sich auf, wenn man die Geldpolitik als gemeinsamen treibenden Faktor für Konzentration, geringe Produktivitätsgewinne und Ungleichheit betrachtet.
