
Die schwangere Marshae Jones wurde bei einem Streit angeschossen und verlor deswegen ihr Kind. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft in Alabama Anklage wegen Totschlags erhoben – gegen Marshae Jones.
Im amerikanischen Alabama ist eine Siebenundzwanzigjährige verhaftet worden, die nach einem Bauchschuss ihr ungeborenes Kind verloren hatte. Die Staatsanwaltschaft des Bezirks Jefferson erhob gegen Marshae Jones zudem Anklage wegen Totschlags, da sie den Streit mit der Schützin provoziert habe. Die Afroamerikanerinnen hatten sich Anfang Dezember 2018 zufällig vor einem Einkaufszentrum in der Kleinstadt Pleasant Grove getroffen. Bei der Auseinandersetzung soll es um den Vater des fünf Monate alten Fötus gegangen sein.
„Das Kind war auf die Mutter angewiesen. Sie hätte keinen unnötigen Streit suchen dürfen“, sagte Polizeichef Danny Reid der „Birmingham News“. Der Fall löste in den Vereinigten Staaten eine Debatte aus, da Alabamas Gouverneurin Kay Ivey vor zwei Monaten das strikteste Abtreibungsgesetz der jüngeren amerikanischen Geschichte unterzeichnete. Es erlaubt Schwangerschaftsabbrüche ausschließlich bei Lebensgefahr für Mutter oder Kind. Nach Vergewaltigungen oder bei Inzest darf dagegen nicht abgetrieben werden.
Frauenverbände wie der Yellowhammer Fund sagten der angeklagten Jones derweil Unterstützung zu. „Der Bundesstaat Alabama hat ein weiteres Mal bewiesen, dass es die einzige Aufgabe von Schwangeren ist, ein lebendes, gesundes Baby zu produzieren“, teilte die Organisation mit. Sie warnte vor weiteren Übergriffen auf Schwangere unter dem neuen Abtreibungsgesetz: „Heute wurde Marshae Jones angeklagt, weil sie schwanger war und angeschossen wurde. Morgen kann es eine andere schwarze Frau treffen, die während der Schwangerschaft Alkohol trinkt. Die nächste Stufe ist eine Strafe für Frauen, die nicht zu Vorsorgeuntersuchungen gehen.“
