Gesellschaft

Zweite Lebenshälfte neu denken: Frauen eines gewissen Alters

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Sarah Jessica Parker im Film „Sex and the City 2“ von 2010

Jenseits der 40: Plötzlich verstehen Freundinnen, Männer, Kinder, Eltern, Haustiere uns nicht mehr. Da muss was passiert sein – unsere Autorin versucht herauszufinden, was.

In feineren Restaurants werde ich seit kurzem mit „Madame“ angesprochen, in den Vereinigten Staaten seit geraumer Zeit mit „Ma’am“. Jeder hält mich für eine vollständig funktionierende Erwachsene, ja topseriöse Person. Dabei bin ich gerade mal Ende 40 und komme mir ganz anders vor.

Das ist nicht der einzige der eigenartigen Widersprüche, mit denen vor allem wir Frauen leben, sobald wir die ersten vier Lebensjahrzehnte hinter uns haben: noch so ein ominöser, angeblich bedeutsamer Schwellenwert der Lebensabschnitte. Fernsehserienerfinder imaginieren uns dann als verzweifelte „Cougars“- Schönheitsindustrie und Beziehungsratgeber eilen herbei, uns über die Verschämtheiten dieser problematischen Phase hinwegzuhelfen- jüngere Bekannte erwarten, dass wir anfangen, Silberbesteck zu sammeln, und für immer aufs Land ziehen. Wollen wir nicht. Will niemand, den ich kenne. Mich plagen auch keine Albträume, ob ich in meinem Alter Botox spritzen sollte. Ich mache es. Es hat für mich keinen moralischen Makel, und ich weiß nicht, was es bedeuten soll, „in Würde zu altern“. Diese Art der Würde habe ich nicht mehr gelernt. Ich habe drei zuverlässige Schönheitsärzte und kein Interesse an Falten. Ich sehe trotzdem nicht wie ein Monster aus. Ich gehe zum Yoga, ich halte bestimmte Muskeln in Form, das ist meine Normalität.