
Xi Jinping hat in der chinesischen Bevölkerung den Fehlglauben genährt, das Land könne es schon jetzt mit Amerika aufnehmen. Damit hat er Erwartungen geweckt, die er nicht erfüllen kann – und sich so verwundbar gemacht.
Der Chef des Handyherstellers Huawei sagte kürzlich einen bemerkenswerten Satz: „Meine Kinder benutzen Apple.“ Obwohl die amerikanische Regierung sein Unternehmen gerade auf eine schwarze Liste gesetzt hatte, sagte Ren Zhengfei, es sei nicht patriotisch oder unpatriotisch, ein Smartphone von Huawei zu kaufen. Und auch das: „In den vergangenen 30 Jahren haben amerikanische Unternehmen viel zum Wachstum unseres Unternehmens beigetragen, sie haben uns das Laufen beigebracht.“
Das China des Ren Zhengfei ist ein Land im 21. Jahrhundert, das auf komplexe Weise mit der Welt verbunden ist. Eine seiner Töchter studiert in Harvard, die andere hat zwei Häuser in Kanada. Der Kontrast zu dem, wie Xi Jinping auf den amerikanischen Huawei-Bann reagierte, hätte kaum größer sein können: Der Staats- und Parteichef begab sich nach Yudu, wo die Rote Armee 1934 zu ihrem verlustreichen, sagenumworbenen Langen Marsch aufgebrochen war, und rief die Nation auf, sich auf einen neuen Langen Marsch zu begeben.
