
Julia Schmidt liebt London und lebt im Osten der Themse-Metropole, ist aber Eintracht-Fan. Für sie ist klar, wer das Duell zwischen dem FC Chelsea und der Eintracht gewinnen soll.
Es ist die am meisten gestellte Frage dieser Tage in Frankfurt, zumindest unter Eintracht-Fans: Ob es noch irgendwo Karten für das Spiel der Eintracht beim FC Chelsea gibt, fragt Julia Schmidt, dabei hat sie eigentlich einen Heimvorteil, im wahrsten Sinne des Wortes. 2200 Tickets für das Rückspiel im Halbfinale der Europa League hat die Eintracht zugeteilt bekommen- mehr als 15.000 Frankfurter haben sich darum beworben. Tausende Frankfurter, die direkt nach dem Viertelfinalsieg über Benfica Lissabon Flug und Hotel gebucht haben, können das Spiel nicht live im Stadion verfolgen.
Julia Schmidt, die seit über 20 Jahren zur Eintracht geht, hat ein Ticket bekommen. Schließlich lebt und arbeitet sie in London, seit sie vor vier Jahren „meine sieben Sachen gepackt und von Frankfurt nach England ausgewandert“ ist, wie sie erzählt. Doch zum morgigen Duell zwischen Chelsea und der Eintracht kommen auch ihre Schwester und ihre Eltern in die britische Hauptstadt, und für ihre Familie würde sie gerne noch Tickets besorgen.
Ab an die Themse
Schließlich sind ihre Eltern der Grund für ihre Liebe zur Eintracht. In Frankfurt geboren, verließ Julia Schmidt 1994 die Stadt, weil die Familie nach Rheinland-Pfalz zog, dorthin, wo die Menschen in der Regel den 1. FC Kaiserslautern anfeuern. Doch statt sich dem damals noch erfolgreichen Traditionsklub anzuschließen, gründete die Familie mitten in Rheinland-Pfalz einen Eintracht-Fanklub namens „Nahe Adler“, organisiert seitdem Busse zu jedem Heim- und zu vielen Auswärtsspielen. Mit dabei war in der Vergangenheit oft auch Julia Schmidt.
Trotz ihrer Liebe zur Eintracht hatte die Siebenunddreißigjährige schon immer den Wunsch, eines Tages in London zu leben. Als sie sich das vor vier Jahren endlich leisten konnte, packte sie die Gelegenheit beim Schopfe, zog in den Osten der Stadt und arbeitete sich von der Bedienung zur Managerin eines Pubs hoch. Heute ist sie an der Queen Mary-Universität in London angestellt. Dass sie nun ein Heimspiel beim Auswärtsspiel der Eintracht hat, freut sie extrem, wie sie sagt. Zwar fliegt sie immer noch regelmäßig nach Frankfurt, um im Waldstadion Partien ihres Herzensvereins zu verfolgen. Zuletzt war sie beim Spiel gegen Lissabon dabei, als die Eintracht einen 2:4-Rückstand aus dem Hinspiel durch ein 2:0 in einen Sieg umwandelte. Ihre Dauerkarte hat sie zwar dem Freund ihrer Schwester gegeben, aber schnell schiebt sie hinterher, dass sie das Ticket nur verliehen habe. „Wenn ich zurück komme, will ich meinen Platz natürlich wieder haben.“
„Liebe zu London hat ein wenig gelitten“
Dass sie bald wieder in Frankfurt wohnt, wo sie von Bockenheim nach London aufgebrochen ist, ist inzwischen gar nicht mehr unwahrscheinlich. Schuld ist der Brexit, also das Votum der Briten, die Europäische Union zu verlassen. Ende Oktober könnte es nach langem Hin und Her über die Austritts-Modalitäten so weit sein. Für Julia Schmidt ein echtes Problem, denn: Erst im November 2014 hat sie ihre Arbeitserlaubnis in England erhalten, ist also erst im gleichen Monat dieses Jahres fünf Jahre in dem Land beschäftigt. Die doppelte Staatsbürgerschaft kann sie erst danach beantragen.
