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Pjöngjang: Kim Jong-un will „Repräsentant ganz Koreas“ sein

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Kim Jong-un

Nordkoreas Machthaber Kim hat sich einen neuen Titel verpasst. Und der birgt nach Ansicht von Beobachtern große politische Sprengkraft.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un tritt seit Kurzem unter einem neuen Titel auf: In den staatlichen Medien wird er jetzt auch „oberster Repräsentant des ganzen koreanischen Volkes“ genannt. Diese Bezeichnung könnte nach Ansicht von Beobachtern für das Nachbarland Südkorea, das die Annäherung unbedingt fortsetzen will, zum Problem werden. „Der Anspruch, Führer aller Koreaner zu sein, entspricht tatsächlich dem langfristigen Ziel Kim Jong-uns, die Wiedervereinigung der koreanischen Halbinsel unter seiner Führung zu erreichen“, kommentierte der Nordkorea-Fachmann Rüdiger Frank von der Universität Wien auf der Nachrichtenseite „38 North“ des US-Korea-Instituts.

Die Herrscher der Kim-Dynastie sind bekannt dafür, mehrere Titel auf sich zu vereinen, die symbolisch ihre herausragende Stellung im stalinistischen System Nordkorea betonen. Kim Jong-un trägt jetzt aber einen neuen Titel, den es in der Dynastie noch nicht gab. Im April 2016 wurde für ihn schon der Titel des Parteivorsitzenden geschaffen. Kim war davor als erster Parteisekretär bereits Parteichef. Sein Ende 2011 gestorbener Vater trägt den Titel „ewiger Generalsekretär“, der Großvater Kim Il-sung den Titel „ewiger Präsident“.

„Bruch mit der Vergangenheit“

Kims neuer Titel erschien erstmals öffentlich in den Berichten über die zweitägige Sitzung der im März neu gewählten Obersten Volksversammlung – Nordkoreas Scheinparlament – am Donnerstag und Freitag in Pjöngjang. Seitdem wurde er in den Medien mehrmals erwähnt. Kims Stellvertreter in der mächtigen Kommission für Staatsangelegenheiten, Choe Ryong Hae, habe die Wiederwahl Kims als Vorsitzenden vorgeschlagen. Demnach hat Kim in dieser Kapazität auch den Posten des obersten Repräsentanten des ganzen koreanischen Volkes und des obersten Führers der Republik (Nordkorea) inne. Alle Teilnehmer hätten „absolute Zustimmung“ geäußert.

Unklar war zunächst, ob Kim, dessen Alter auf 35 Jahre geschätzt wird, der Titel auch per Verfassungsänderung zuerkannt wurde. Eine Änderung der sozialistischen Verfassung wurde neben der Wiederwahl Kims, den Neubesetzungen in der Führungsriege und Budgetfragen als Programmpunkt der Parlamentssitzung angekündigt. Wie die Änderungen tatsächlich ausgesehen haben, dazu wurde zunächst nichts gesagt.

In Südkorea wurde vermutet, der neue Titel Kims solle auch dazu dienen, seine Stellung weiter zu festigen. Frank nannte die Erklärung Choes, dass Kim nun auch Vertreter aller Koreaner sei, eine Ankündigung mit politischer Sprengkraft. Bisher habe Pjöngjang relativ vorsichtig den offenen Anspruch auf Führerschaft über die ganze koreanische Halbinsel vermieden. „Der neue Titel ist daher ein Bruch mit der Vergangenheit und stellt offen eine Herausforderung für die Rolle Südkoreas und seines Präsidenten dar.“

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Kim und der südkoreanische Präsident Moon Jae-in hatten sich im vergangenen Jahr dreimal getroffen: zweimal im Grenzort Panmunjom und einmal in Pjöngjang. Bei ihrem ersten Gipfeltreffen im April erklärten sie sich dazu bereit, die koreanische Halbinsel atomwaffenfrei zu machen, auf alle gegenseitigen Feindseligkeiten ein für alle Mal zu verzichten und auf eine neue Friedensordnung hinzuarbeiten.

Während die gemeinsame Erklärung jedoch offen ließ, durch welche konkreten Maßnahmen die atomare Abrüstung Nordkoreas erreicht wird, hat das Gipfeltreffen viel für die Verbesserung der innerkoreanischen Beziehungen geleistet. Moon und Kim stellten zudem eine persönliche Verbindung her. Ob Kims neuer Titel das schwierig erarbeitete Vertrauen zu Moon stören wird, bleibt offen. Die Regierung in Seoul reagierte zunächst nicht.