
Fast jedes dritte neue Auto in Deutschland ist ein Geländewagen. Die Zahl der Modelle und der Absatz steigen stetig. BMW, Mercedes-Benz und Porsche legen schon wieder Neuheiten nach.
Irgendwie ist es paradox. Die veröffentlichte Meinung hat sich gegen das SUV eingeschossen, „zu groß, zu durstig, zu schwer“ lauten die gebetsmühlenhaft vorgetragenen Vorwürfe gegen das Sport Utility Vehicle, kurz SUV. Dieser Begriff, der in der F.A.Z. am 10. September 1996, also vor knapp 23 Jahren, das erste Mal auftauchte, hat sich inzwischen für die hochbeinigen und vielleicht auch ein wenig geländegängigen Autos eingebürgert. Sie haben längst nicht mehr alle Allradantrieb, nur eine Achse anzutreiben spart schließlich Kraftstoff. Im vergangenen Jahr entfielen in Deutschland nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) auf diese Fahrzeuggattung, und wir rechnen die wahren Geländewagen jetzt einfach mal mit, weil auch der Kunde nicht unterscheidet, 26,3 Prozent aller Neuzulassungen. Somit war mehr als jedes vierte Auto ein SUV. Vor 30 Jahren war es vielleicht jedes vierzigste.
Der Boom hat viele Gründe. Die Menschen lieben es, hoch zu sitzen, sie schätzen das Gefühl der festen Burg um sich, den Platz und, sofern Allradantrieb an Bord ist, den Glauben, im Zweifel weiter zu kommen als die anderen. Und mittlerweile nährt der Aufschwung den Aufschwung. Ein Kollege sagte einmal: „Je mehr verschiedene Schokoriegel Du anbietest, desto mehr werden auch verkauft.“ In dieser Schokoriegel-Regel steckt viel Wahrheit, kein Marktsegment bietet derart Auswahl wie das der SUV, einschließlich der Geländewagen.
Rund 100 verschiedene Modelle stehen in den Schaufenstern der Händler, dagegen sind zum Beispiel nur 42 unterschiedliche Autos in der Kompakt- oder Golfklasse zu haben. Bis die SUV kamen, war die Golfklasse immer das wichtigste Marktsegment, auch im Jahr 2018 betrug der Anteil 22 Prozent. Aber im neuen Jahr bis einschließlich Februar hat die Nachfrage noch weiter zugenommen. 30 von 100 verkauften Autos sind jetzt vom Stamme der SUV, Tendenz steigend. Der Absatzzuwachs im Vergleich mit den ersten beiden Vorjahresmonaten beträgt rund 15 Prozent.
Womit wir wieder bei den Schokoriegeln wären. Stets kommen neue, und diese Woche waren es aus deutscher Sicht drei besonders spektakuläre: Der BMW X7, das Mercedes-Benz GLC Coupé und das Porsche Cayenne Coupé. Der BMW X7 konnte von der Presse in seiner amerikanischen Wahlheimat schon gefahren werden, der Porsche hatte am Donnerstagabend in Stuttgart seine statische Weltpremiere. Da wollte Daimler wohl nicht hintanstehen und schickte sogleich die Neuigkeiten zum GLC Coupé heraus.
Alle drei kommen im Mai und Juni zu den Händlern. Und alle drei sind mehr oder weniger Derivate von vorhandenen Modellen, die unlängst aufgefrischt wurden. Der neue Mercedes-Benz GLC ist noch gar nicht auf dem Markt, er startet gleichzeitig mit dem Coupé, bestellt werden kann von Mitte April an. Der größte oder besser längste aus unserem Neuheiten-Trio ist der BMW X7. 5,15 Meter ist ein Maß, mit dem man auch in Amerika punkten kann. Drei Sitzreihen sind Pflicht und Kür gleichzeitig, Allradantrieb, Achtgang-Automatik, Luftfederung und höchste Ausstattung sind obligatorisch. Die Preisliste beginnt um 86.300 Euro. Mit dem X7 will BMW dem Range Rover oder auch dem Mercedes-Benz GLS Konkurrenz machen, bisher hatten die Bayern auf dieser Ebene kein Angebot.
