
Dass Fernsehserien die Erziehung der heranwachsenden Generation beeinflussen, ist nichts Neues. Doch ausgerechnet eine Serie über Schweine lehrt die amerikanischen Sprösslinge nun das British English.
Annexionen gehen nicht immer leise vor sich – in diesem Fall sogar ausgesprochen laut. Aus den Vereinigten Staaten wird von einem auf den ersten Blick unerklärlichen Phänomen berichtet: Amerikanische Kleinkinder sprechen plötzlich mit britischem Akzent, benutzen Wörter wie „holiday“ anstatt „vacation“, sagen „rubbish“ statt „trash“. So schildern es Eltern im Internet. Was ist denn da passiert? Haben die Briten sich nicht nur die Sache mit der Europäischen Union noch einmal neu überlegt, sondern auch die mit dem British Empire? Sieht man in Großbritannien womöglich die Rekolonialisierung als neue nationale Aufgabe an? Will das Mutterland den ungezogenen Abkömmling wieder in geordnete Bahnen lenken?
Jedenfalls hat man mit der Invasion der Neuen Welt längst wieder begonnen – und zwar in den Köpfen der Kleinsten, in besonders subtiler Form, nämlich in der eines rosafarbenen Schweins. Das Schweinchen heißt Peppa, mag Matschpfützen, Goldfische und Schlittenfahrten. Es ist der Star der Fernsehserie „Peppa Pig“, die seit 2004 im britischen Channel 5 ausgestrahlt wird. Peppa spricht, wie der Rest ihrer Familie, mit breitem britischen Akzent. Die Familie Pig hat in den vergangenen Jahren mit grell-bunten Fünf-Minuten-Episoden die Bildschirme in aller Welt erobert. In Deutschland wird die Zeichentrickserie als „Peppa Wutz“ ausgestrahlt, zurzeit bei Super RTL.
Folgt die Wiedereinsetzung der Monarchie?
Peppa ist besonders bei Kindern im Vorschulalter beliebt- die Serie hat schon mehrere Bafta Children’s Awards gewonnen. Und die Schweinefamilie lehrt nun viele Kinder in der angelsächsischen Welt nicht (nur) das Grunzen – sondern ein sattes Britsh English, als würden sie gleich in einen roten Doppeldecker-Bus steigen oder die Three Lions im Stadion anfeuern. Ganz nebenbei sagt dieser ungelenkte Spracherwerb auch etwas aus über die viele Zeit, die Kinder vor der Mattscheibe sitzen.
Außer Peppa, Mummy und Daddy Pig gehört zur Familie übrigens auch noch Peppas jüngerer Bruder, der am liebsten mit seinem Plastik-Dinosaurier spielt. Dieser kleine Bruder trägt allerdings nicht irgendeinen Vornamen, sondern ausgerechnet einen der traditionsreichsten männlichen Vornamen der britischen Monarchie: George. Das kann kein Zufall sein. Wer weiß, vielleicht wird eines Tages, wenn niemand mehr über Donald Trump spricht, in den Vereinigten Staaten sogar die Monarchie eingeführt. His Royal Highness Prince George of Cambridge, fünf Jahre alt und Nummer drei in der britischen Thronfolge, steht dann sicherlich bereit.
