Ergebnis des Prüfberichts: Milliardenbetrug bei Möbelkonzern Steinhoff ist amtlich

Published 18/03/2019 in Finanzen, Finanzmarkt

Ergebnis des Prüfberichts: Milliardenbetrug bei Möbelkonzern Steinhoff ist amtlich
Gebäude von Steinhoff in Niedersachsen

Eine Gruppe Topmanager soll beim Möbelkonzern Steinhoff jahrelang Transaktionen generiert haben, um Zahlen zu fälschen. Jetzt sollen strafrechtliche Schritte folgen.

Rund 15 Monate nach dem spektakulären Börsendebakel von Steinhoff hat sich der Verdacht von Bilanzmanipulationen und Betrug in Milliardenhöhe bei dem einst angesehenen Möbelkonzern erhärtet. Zwischen 2009 und 2017 seien „fiktive und unregelmäßige Transaktionen“ in einer Höhe von 6,5 Milliarden Euro aufgedeckt worden, schreibt die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PWC in einer am Wochenende veröffentlichten Zusammenfassung ihrer Untersuchung.

Hinter den Machenschaften stecke eine „kleine Gruppe früherer Steinhoff-Manager und nicht zu der Gruppe gehörender Manager“ unter der Führung „eines Vorstandsmitglieds“. Die Gruppe habe über Jahre hinweg vielfältige Transaktionen auf den Weg gebracht, um Gewinn und Vermögen des Steinhoff-Konzerns „substantiell aufzublähen“. Die Namen der Mitglieder dieser Gruppe und des Vorstandsmitglieds wurden nicht genannt.

Von 5 Euro auf 13 Cent

Steinhoff, die Nummer zwei hinter Ikea auf der Welt, hat einen rasanten Niedergang hinter sich, seit der Aktienkurs im Dezember 2017 um mehr als 90 Prozent fiel. Der Konzern hatte damals „Unregelmäßigkeiten“ in der Bilanz eingestanden, der langjährige Vorstandschef Markus Jooste war daraufhin zurückgetreten. Über Monate hinweg gab es immer neue Enthüllungen, denen zufolge Jooste nicht nur ungehindert mit waghalsigen Akquisitionen voranpreschen, sondern auch die Geschäftszahlen manipulieren konnte. Außer ihm traten mehrere Manager und Aufsichtsratsmitglieder zurück. Mehrere von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte zuvor testierte Jahresabschlüsse wurden zurückgezogen.

Der Bericht von PWC hätte ursprünglich Ende vergangenen Jahres vorliegen sollen, wurde aber wegen der „Komplexität der Aufgabe“ verschoben. Gläubiger und Aktionärsvertreter, die bereits hohe Entschädigungsklagen gegen Steinhoff eingereicht haben, hatten ihn mit großer Spannung erwartet. Aus rechtlichen Gründen bleibt der 7000 Seiten lange Gesamtbericht jedoch weiter vertraulich. Der Konzern veröffentlichte auf seiner Internetseite lediglich eine Zusammenfassung.

Fiktive Erträge generiert

Wie es darin heißt, hatte die berüchtigte Steinhoff-Truppe beispielsweise zahlreiche Male den Eindruck erweckt, mit unabhängigen Partnern Geschäfte zu machen. Tatsächlich seien diese jedoch eng mit ihnen verbunden gewesen. In vielen Fällen seien fiktive oder unregelmäßige Erträge in zwischengeschalteten Steinhoff-Holdinggesellschaften generiert worden, die dann schlechter laufenden Tochtergesellschaften zu Gute kamen, teils in Form von Bargeld.

Die beanstandeten Transaktionen seien durch juristische und andere Dokumente gestützt worden, die oft erst nachträglich erstellt wurden. Um Verwirrung zu stiften, sei es auch üblich gewesen, den Scheinunternehmen, über welche die Transaktionen liefen, ähnliche Namen zu geben und die Namen zu ändern. PWC habe für die Untersuchung 22 frühere und amtierende Direktoren sowie leitende Angestellte befragt. Jooste und andere Hauptbeschuldigte hätten Gespräche abgelehnt.

Wie es in der Mitteilung weiter heißt, soll der Bericht nun für die Erstellung der noch ausstehenden Jahresabschlüsse dienen. Zusätzlich will der Aufsichtsrat auf dieser Basis rechtliche Schritte gegen die Beschuldigten einleiten. Ehemalige Steinhoff-Führungskräfte und andere betroffene Personen würden aufgefordert, die Ergebnisse zu kommentieren. Es seien jedoch noch viele Fragen offen, und die Untersuchung sei noch nicht zu Ende.

Die Mitteilung war am Freitag nach dem Handelsschluss an der Johannesburger Börse veröffentlicht worden, an der Frankfurter Börse legte die Steinhoff-Aktie kurzzeitig zu. Zum Börsengang in Frankfurt 2015 war sie noch 5 Euro wert, jetzt wird sie nur noch mit 13 Cent gehandelt. Daher sind Kursbewegungen auch im Grunde wenig aussagekräftig. Die Aktie ist nur noch ein Spekulationsobjekt, von ernsthaften Investoren wird sie nicht mehr in Betracht gezogen. Das zeigt sich auch im drastischen Rückgang der Börsenumsätze.

An diesem Dienstag werden die Aufsichtsratsvorsitzende Heather Sonn und Vorstandschef Louis de Preez im südafrikanischen Parlament vorstellig. Einer der Großinvestoren an Steinhoff ist der Verwalter des staatlichen Pensionsfonds PIC, der auch wegen anderer glückloser Investitionen und Skandale unter Druck steht. Steinhoff hat seinen Rechtssitz in den Niederlanden, wird aber von Südafrika aus geführt.

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