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Gemeinsame Entwicklungsarbeit: Erste Misstöne zwischen BMW und Daimler

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Wie nah kommen sich BMW und Daimler? Die Vorstandsvorsitzenden Harald Krüger (links) und Dieter Zetsche.

Wenn die Zeiten rauher werden, sortieren sich die Spieler neu. Das gilt auch für Daimler und BMW. Vieles wird diskutiert, vieles ist denkbar – nur eines nicht.

Bleiben BMW und Daimler auch in Zukunft eigenständig? Oder erleben wir demnächst die Geburtsstunde der Bayerisch-Schwäbischen-Autowerke? Entsteht da gar der große nationale Premium-Auto-Champion? Champions sind im Berliner Regierungsviertel ja gerade schwer in Mode. Die Frage, wie nah sich die beiden Erzrivalen kommen, ist insofern berechtigt, als sie eine Kooperation nach der anderen verkünden. Ihre Car-Sharing-Flotten haben sie zusammengelegt, ebenso die Mobilitätsangebote, den Kartendienst „Here“ betreiben sie eh schon zusammen. Jetzt wollen sie auch noch autonom fahrende Autos gemeinsam entwickeln, so die Ankündigung aus der vergangenen Woche, womöglich auch noch für künftige Elektroautos die Köpfe zusammen stecken, wie bereits spekuliert wird.

Alles, was die Zukunft betrifft, entwickeln wir gemeinsam, so ließen sich diese Botschaften deuten. Was aber bleibt den beiden dann noch als Alleinstellungsmerkmal? Irgendwann wäre es die logische Konsequenz, dass sich BMW und Daimler auch kapitalmäßig verflechten. Entsprechende Fragen kommen in unregelmäßigen Abständen auf, seit Jahrzehnten schon, seit dem Trauma der Bayerischen Motorenwerke, als sie beinahe von Daimler übernommen worden wären.

Im Herbst 1959 war das. In der damaligen Schieflage ist Familie Quandt als rettender Großaktionär eingesprungen und hat so die Eigenständigkeit bewahrt. Dass die Quandts je die Lust an BMW verloren hätten, dafür gibt es keine Indizien, schließlich wird die Familie angemessen belohnt mit der überaus anständigen jährlichen BMW-Dividende. Nur wie lange noch geht es so üppig weiter?

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Fouls aus Stuttgart

Wenn die Zeiten rauher werden, neue übermächtige Konkurrenten wie Google mit den selbstfahrenden Waymo-Autos anrollen, dann sortieren sich die Spieler neu – und damit womöglich auch die Verhältnisse unter den Eigentümern. Vieles wird diskutiert, vieles ist denkbar. Eines jedoch nicht, so ist aus Kreisen des BMW-Aufsichtsrates zu hören: eine Fusion mit dem Rivalen Mercedes, eingeleitet womöglich durch eine gegenseitige Beteiligung der beiden Konzerne.

BMW bleibt eigenständig, so die Ansage, genauso wie gewisse Vorbehalte gegenüber Mercedes bestehen bleiben. Maßgebliche BMW-Leute sind einigermaßen schlecht zu sprechen auf die Kollegen in Stuttgart, denen sie allerhand Fouls in Diesel-Skandal wie Kartellverfahren vorwerfen.

Umso überraschender sind die jüngst verkündeten gemeinsamen Projekte. Die treibende Kraft dahinter ist offenbar mehr in Stuttgart zu suchen als München. So forsch geht Daimler-Chef Dieter Zetsche zu Werke, dass es manchem im BMW-Lager allmählich zu viel wird mit der „Dieter-Show“. So wird dort betont, dass die von Zetsche bejubelte Kooperation bei den Roboter-Autos noch gar nicht fix beschlossen ist. Erstmal haben die beiden Konzerne nur eine Absichtserklärung verabredet, auf Seiten von BMW hat die auch nicht der Vorstandsvorsitzende Harald Krüger unterschrieben, sondern bloß Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich – ein feines Signal, die Sache eine Stufe tiefer zu hängen.

Die wirklichen Verhandlungen über konkrete Projekte für die angestrebte gemeinsame Roboter-Technik beginnen demnach erst und werden „mindestens drei Monate“ dauern, so ist in BMW-Kreisen zu hören – auf jeden Fall länger, als Zetsche noch im Amt ist: Am 22. Mai, mit der Daimler-Hauptversammlung, verabschiedet sich der Mann mit dem Schnauzbart in den Ruhestand. Mit dem erklärten Ziel, nach der angeordneten Abkühlphase als Aufsichtsratschef zurückzukehren. Dagegen bahnt sich Widerstand mancher Investoren an. Um den zu brechen, ist es kein Fehler, dass Zetsche sich jetzt hervortut als zupackender Macher mit einem Gespür für die Themen von morgen und übermorgen.