
Die Gesundheitsbehörden in Amerika haben eine Krankheit entdeckt, die der Polio ähnelt. Erreger könnte ein Schnupfenvirus sein. Kann man dem vorbeugen?
Die Leidensgeschichte des vierjährigen Camdyn begann mit einer laufenden Nase. Wenige Tage später konnte er die rechte Seite seines Gesichts nicht mehr bewegen und seinen rechten Arm nicht mehr heben. Auf dem Weg zur Klinik verkrampfte sein ganzer Körper, er war gelähmt. Heute kämpft Camdyn in einer Rehabilitationseinrichtung um jeden Millimeter Beweglichkeit. Er kann sein rechtes Bein wieder etwas anheben, ebenso seine linke Hand und seine Augenbrauen. Auch ein Teil der Mimik ist wieder zurück. Sprechen kann er allerdings noch nicht. Es wird lange dauern, bis er wieder an seine alten Fähigkeiten anknüpfen kann.
Die „Washington Post“ nennt sein Schicksal exemplarisch für eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen, die unter der sogenannten akuten schlaffen Lähmung leiden („acute flaccid myelitis“, AFM). Die Krankheit ist in Amerika bisher in drei Wellen aufgetreten. Heuer sind 127 Fälle aus 22 Bundesstaaten registriert worden, 62 Erkrankungen wurden offiziell bestätigt, 65 müssen noch näher untersucht werden. Die Gesundheitsbehörden gingen vor wenigen Tagen an die Öffentlichkeit. Es gebe keinen Grund zur Panik, sagte Nancy Messonnier, Abteilungsleiterin an den „Centers for Disease Control and Prevention“. Die Krankheit sei selten, mit weniger als einer Erkrankung je einer Million Einwohner. Aber als Mutter wisse sie, was es bedeute, sich Sorgen um ein Kind zu machen.
