Eurokrise

Nach mildem Krediturteil: Entspannung am italienischen Anleihemarkt

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Touristen besuchen das Kolosseum in Rom.

Die Aktienkurse italienischer Banken steigen und auch am Anleihemarkt greifen die Anleger zu. Der nächste Test ist eine Veröffentlichung am Freitag.

Die Überprüfung ihrer Bonität durch die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) hat Italiens Regierung überstanden. Nun droht die nächste Bewährungsprobe in Gestalt eines Stresstests, dessen Ergebnisse die in London ansässige Europäische Bankenaufsicht (EBA) am Freitagabend veröffentlichen will.

Überprüft wird, wie sich ein wirtschaftlicher Abschwung auf die Gesundheit europäischer Banken auswirken würde. Auch wenn an der Börse die Ansicht verbreitet ist, die meisten italienischen Banken dürften den Test bestehen, ist nicht klar, ob dies für alle gelten wird.

Italien braucht andere Käufer als die EZB

An diesem Montag aber freuten sich die Anleger an den Anleihe- und Aktienmärkten zunächst einmal über das Urteil der Ratingagentur Standard & Poor’s, die, anders als die Rivalin Moody’s vor einer Woche, ihre Benotung italienischer Staatsanleihen nicht herunterstufte, sondern lediglich den Ausblick für die aktuelle Bewertung als „negativ“ einstufte.

„Damit ist in den nächsten Monaten nicht mit einer Herabstufung der Bonität Italiens zu rechnen“, heißt es in einem Kommentar der französischen Großbank Société Générale. „Die hohen Renditen für italienische Papiere stellen damit bis zum Jahresende einen Ausgleich für das mit diesen Papieren verbundene Risiko dar.“

Die Rendite zehnjähriger italienischer Papiere ermäßigte sich zu Wochenbeginn um 0,17 Prozentpunkte auf 3,27 Prozent. Da gleichzeitig die Rendite der Bundesanleihen stieg, verringerte sich die Renditedifferenz zwischen zehnjährigen italienischen und deutschen Staatspapieren auf 2,9 Prozentpunkte. An den Finanzmärkten gilt ein Abstand von 4 Prozentpunkten als kritisch, weil die damit verbundenen Kurswertabschreibungen italienischer Banken auf ihre umfangreichen Bestände heimischer Staatsanleihen so groß würden, dass manche Banken zusätzliches Eigenkapital aufnehmen müssten.

In den vergangenen Wochen hat dieses Risiko die Kurse der italienischen Bankaktien stark belastet, da viele Marktteilnehmer es für unwahrscheinlich halten, dass sich die Banken das benötigte Eigenkapital durch Ausgabe eigener Wertpapiere am Markt beschaffen könnten. Über das Wochenende versicherten aber mehrere Mitglieder der Regierung, der Staat würde in einer Krise für die Banken sorgen. „Das wäre ein außergewöhnlicher Eingriff für eine Regierung“, sagte Finanzminister Giovanni Tria. „Jede Regierung würde dies tun.“ Als Folge dieser Aussage und angesichts der Kursgewinne für italienische Staatsanleihen stiegen am Montag auch die Kurse italienischer Bankaktien.

Ob die gute Marktstimmung andauert, wird sich schon am Dienstag zeigen. Dann will die Regierung in Rom neue Staatsanleihen über 5,5 Milliarden Euro ausgeben. Die Plazierung findet eigentlich in einem günstigen Umfeld statt, denn in diesen Tagen wetteifert kein anderer Staat aus der Eurozone um neues Geld der Anleger und überdies erhalten Anleger aus gleichzeitig fällig werdenden italienischen Staatsanleihen 15 Milliarden Euro ausgezahlt.

Zu bedenken ist allerdings, dass in den vergangenen Jahren die Europäische Zentralbank (EZB) der einzige bedeutende Käufer italienischer Anleihen war. Und Rom nach einem Ende des Anleihekaufprogramms der EZB andere Käufer für seine Papiere benötigt.