
Die japanische Asteroiden-Mission Hayabusa2 ist am Ziel. Heute, am frühen morgen, wird das deutsch-französische Forschungslabor „Mascot“ auf Ryugu abgesetzt. Es soll 16 Stunden lang hüpfend den Himmelskörper inspizieren.
Vier Jahre nach der spektakulären Landung des deutsch-französischen Forschungslabors Philae auf dem Kometen „Tschuri“ im Rahmen der europäischen Rosetta-Mission blicken die Astronomen in diesen Tagen auf das nächste Weltraumabenteuer: die Landung des Roboters „Mascot“ auf dem 300 Millionen Kilometer (das entspricht der doppelten Distanz Erde – Sonne) entfernten Asteroiden „Ryugu“. Vier Jahre lang war der schuhkartongroße Apparat, der federführend von Wissenschaftlern des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der französischen Raumfahrtagentur CNES entwickelt wurde, gemeinsam mit drei japanischen Landemodulen an Bord der Raumsonde „Hayabusa2“ bis zu seinem Bestimmungsort gereist. Ende Juni ist die Sonde der japanischen Raumfahrtagentur Jaxa mit ihrer Fracht bei Ryugu angekommen und begleitet ihn seitdem auf seiner elliptischen Umlaufbahn um die Sonne. Vor zwölf Tagen hat sie bereits zwei kleine Minerva-Lander abgesetzt, die erste Bilder von der Asteroidenoberfläche zur Erde gefunkt haben.Heute wird nun der „Mobile Asteroid Surface Scout“ abgekoppelt.
Verläuft alles nach Plan, wird sich Mascot am Mittwochmorgen um vier Uhr früh deutscher Zeit von Hayabusa2 trennen und auf dem 900 Meter großen Gesteinsbrocken landen. Etwa zehn Minuten wird das Manöver dauern, bei dem der Forschungsroboter aus einer Höhe von sechzig Metern in Richtung Ryugu fällt, angezogen lediglich von der geringen Schwerkraft des Asteroiden. In dieser Zeit können die an der Mission beteiligten Forscher nur hoffen, dass alles wie vorausberechnet abläuft und Mascot nicht in seiner Haltevorrichtung stecken bleibt oder bei der Landung an einem Felsen eingeklemmt wird und sich selbst nicht mehr aufrichten kann, so wie es Philae am 12. November 2014 ergangen war.
Mascot könnte sich aber auch trotz der geringen Fallhöhe zu schnell der Oberfläche nähern, beim Aufsetzen zu stark abprallen und wieder ins All hinauskatapultiert werden. Denn es ist – anders als bei Philae (es hat zwar dort versagt) – kein Verankerungsmechanismus vorgesehen. Sobald der Lander von Hayabusa2 abgekoppelt wurde, hat der Bordcomputer die Kontrolle übernommen und steuert alle weiteren Schritte. Ein Eingreifen der Wissenschaftler von der Erde aus ist dann nicht mehr möglich.
Sinkflug ins Ungewisse
„Wir sind zuversichtlich, dass Mascot recht sanft auf Ryugu landen wird“, sagt Tra-Mi Ho, Projektleiterin der Mission. „Wir kennen inzwischen das Gravitationsfeld von Ryugu aus Messungen der Hayabusa-Sonde ziemlich genau und haben die Landephase auf dem Computer simuliert und die Parameter für den Sinkflug entsprechend eingestellt.“ Auch die Beschaffenheit von Mascots Landezone auf der Südhemisphäre – nüchtern als MA-9 bezeichnet – ist durch die Tiefflüge von Hayabusa2 bekannt. Sie weist wenig große Felsen auf und verläuft recht eben.
Trotzdem wird es wohl keine wirklich sanfte Landung werden. Aufgrund der geringen Gravitation – sie beträgt nur ein Sechzigtausendstel der Erdanziehungskraft – wird Mascot nach dem Aufsetzen zunächst von der Oberfläche abprallen und wie ein Gummiball mehrmals bis zu seiner endgültigen Position hüpfen. Ist das Forschungslabor zur Ruhe gekommen und in der richtigen Position (wenn nicht, kann es sich selbständig aufrichten), schalten sich automatisch die vier Instrumente ein, und das Messprogramm läuft nach einem festgelegten Protokoll ab. Zuerst wird die Weitwinkelkamera die Umgebung ins Visier nehmen und erste Informationen über die geologische Beschaffenheit der Oberfläche liefern. Für die Beleuchtung sorgen, falls notwendig, LED–Lampen in verschiedenen Farben.
