
Der BMW 6er Gran Turismo kommt mit konzeptionellen Trümpfen, Komfort pur und einem schwer verdaulichen Preis daher. Wer braucht so etwas?
BMW traut sich ab und an Ungewöhnliches zu. Ein Elektroauto im Stile des i3 anzubieten war mutig und gut fürs Image, wirtschaftlich indes eher suboptimal. Die GT-Reihe von 3er und 5er ist auch so ein Fall, der in der ersten Generation die Frage aufwarf, wie eine derartige Geschmacksstrapaze Realität werden konnte. Die konzeptionellen Trümpfe wirken gleichwohl fort, und so zündet BMW nun die nächste Stufe. Dem 5er ist sie der Nomenklatur nach entwachsen und heißt nun 6er Gran Turismo.
Die zweitbeste Nachricht vorweg: Das Auto gewinnt zwar noch immer nicht Germany’s next Topmodel, sieht jetzt aber adretter aus, das Heck wirkt flinker, das Ensemble harmonischer. Die beste Nachricht: Wer einsteigt, erlebt Komfort pur. Das gilt am Steuer, wo sich die für die Marke typischen Tugenden jugendlicher Agilität mit der in der Ruhe liegenden Kraft des Fahrwerks aufs souveränste verbinden. Hinterachslenkung hilft optional, Parkhäuser schadlos zu überstehen. Die edel illuminierten Instrumente sind modern ohne überzogene Gimmicks, gut nutzbare Ablagen runden das positive Bild ab.
Leider mühsam zu beladen
Und es gilt umso mehr in der zweiten Reihe, in der sich dank des gestreckten Radstands Fußball spielen lässt. Die verstellbaren Sitzgelegenheiten sind ebenso bequem wie der Zustieg zu denselben, weil sie auf angenehmer Höhe postiert sind und die Pforten groß. Der beachtliche 610 Liter aufnehmende Kofferraum ist leider mühsam zu beladen, die Ladekante ist zwar niedriger als im Vorgänger, im Zusammenspiel mit der langen Fläche aber noch immer bandscheibenfeindlich gesinnt.
Motorisch bietet BMW kraftvolle Benziner und Diesel. Im Testwagen lief der 640i als Benziner, der mit seinen sechs Zylindern aus 3,0 Liter Hubraum 340 PS und 450 Nm holt, was für 250 km/h Spitze und 5,4 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h genügt. Der Antrieb ist Samt und Seide, unser Testverbrauch von 9,2 Litern recht angenehm, der Preis des mit Extras für 23 700 Euro aufgepusteten Testwagens mit 93 480 Euro schwer verdaulich. Wer braucht so was? Kunden mit Hang zu schrägen Typen, die nach langen Reisen tiefenentspannt ankommen wollen.
