
Die SPD triumphiert in Hannover, weil es der CDU nicht gelungen ist, eine Wechselstimmung zu entfachen. Auch die Tonlage der Kanzlerin nach der Bundestagswahl dürfte den Wahlkämpfern in Niedersachsen nicht geholfen haben. Ein Kommentar.
Der Ausgang der Landtagswahl in Niedersachsen lässt viele Deutungen zu. Doch gleich ob das bescheidene Abschneiden der CDU drei Wochen nach der Bundestagswahl ein Menetekel für den Niedergang der Union unter Angela Merkel sein soll- ob der Triumph der Sozialdemokraten unter Stephan Weil als Hoffnungsschimmer für eine notorisch schwache Bundes-SPD und ihren Vorsitzenden Martin Schulz dienen kann- ob die Verluste von FDP und Grünen als Misstrauensbekundung gegenüber „Jamaika“ im Bund gedeutet werden oder ob das schwache Abschneiden der AfD sowie das Scheitern der Linkspartei ein Indiz für das auch politisch gemäßigte Naturell der Norddeutschen sein soll – nur eines ist gewiss: Im Frühjahr wurden die Koalitionen aus SPD, Grünen und SSW in Schleswig-Holstein sowie aus Sozialdemokraten und Grünen in Nordrhein-Westfalen abgewählt. In Hannover kann man das Ergebnis von SPD und Grünen trotzt der herben Verluste des kleinen Koalitionspartners nicht so lesen, dass die rot-grüne Landesregierung das Vertrauen der Bürger verloren hat.
Dabei lief es in den vergangenen Jahren in Hannover keineswegs rund. Zu Beginn des Jahres 2013 schien von Hannover ein Signal des Aufbegehrens gegen die Berliner Koalition aus Union und FDP auszugehen. Doch es war so schwach, dass es nicht als Auftakt zu einer Renaissance von Rot-Grün bei der Bundestagswahl im Herbst desselben Jahres taugte. Annähernd fünf Jahre später haben die Bürger zwischen Elbe und Ems dem endemischen VW-Skandal, diversen Affären und einer chaotischen Schulpolitik zum Trotz Rot-Grün dennoch nicht auf den Müllhaufen der Zeitgeschichte befördert.
