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Ein Kampfjet weckt Begierden

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Schießt hoch hinaus: Kampfjet F-35 über Le Bourget

Die Bundesregierung prüft die Anschaffung der F-35. Doch es gibt etliche andere Optionen und auch Frankreich rührt kräftig die Werbetrommel. Wer macht wohl das Rennen?

Scott Gunn ist ein amerikanischer Kampfpilot, der zehn Jahre lang über dem Pazifik nach feindlichen Flugzeugen Ausschau hielt. „Doch es gab nichts zum Abschießen“, sagt er und fügt hinzu: „Gottseidank“. Vor zwei Jahren wechselte Gunn vom Kampfflugzeug F-15 auf die neueste Jet-Generation, die F-35 Lightning II, auch genannt „Joint Strike Fighter“. In einem Zehn-Stundenflug brachte er den Militärjet von Utah zur Luftfahrtschau im französischen Le Bourget. „Die Maschine ist dermaßen leicht zu fliegen. Manchmal schweifen die Gedanken ab und man vergisst regelrecht, dass man ein Flugzeug steuert“, berichtet der 37 Jahre alte Oberstleutnant der Air Force.

Vor den Toren von Paris zeigt der Haupthersteller Lockheed Martin erstmals seinen Militärjet aus der sogenannten fünften Generation. Es ist das modernste Kampfflugzeug der Welt. Vor dem Publikum vollführt es jeden Tag spektakuläre Manöver, darunter nicht nur blitzschnelle Rollen, Loopings sowie Steig- und Sturzflug in Senkrechtposition, sondern auch den Langsamflug in fast senkrechter Lage kurz vor dem Abriss der Strömung. Die ausgeübten Kräfte reichen bis zum Neunfachen der Schwerkraft. An der Maschine fallen die abgerundeten Kanten und Ecken unter einer Art Schutzhülle auf: die Tarnkappen-Technologie soll das Flugzeug für Radare unsichtbar machen.

„Im Luft-zu-Luft-Kampf ist der ‚bad guy‘ abgeschossen, lange bevor er unsere Maschine überhaupt sieht“, berichtet ein Pressesprecher. Als weitere Neuerung gilt das Helmsystem. Über Sensoren an der Außenhaut bekommt der Pilot Bilder auf sein Sichtfeld gespielt, die einen 360-Grad-Blick ermöglichen. Wenn er etwa den Kopf neigt, um auf seine Beine zu schauen, sieht er, was sich unterhalb des Flugzeuges befindet. „Fast jeder unserer Piloten will die F-35 fliegen“, berichtet der Air Force-Mann Gunn, der heute als Ausbilder arbeitet. Doch wird die Maschine auch außerhalb der Vereinigten Staaten zu Begeisterungsstürmen führen?

Ein System der „nächsten Generation“

Sie ist bereits an zahlreiche Nationen ausgeliefert worden, darunter etliche aus Europa. In Kampfeinsätzen ist die F-35 noch nicht erprobt, doch das ist nur eine Frage der Zeit. Selbst das Bundesverteidigungsministerium zeigt inzwischen Interesse. Die Luftwaffe lotet derzeit die Optionen für die Nachfolge seiner rund 80 Tornados aus. Die F-35 gilt auch wegen ihrer Netzwerk-Kapazitäten als interessant, womit die Luftwaffe leichter mit anderen Nato-Partnern kooperieren könnte. Kritiker wenden allerdings ein, dass die F-35 in erster Linie für den Luft-Boden-Kampf entwickelt wurde und weniger für die Gefechte in der Luft. Vor allem aber ist die Maschine sehr teuer- mit Kosten von mehr als 1 Billion Dollar über die Laufzeit des Programms gilt es als das teuerste Rüstungsprojekt der amerikanischen Geschichte. Der Kauf der Deutschen in den Vereinigten Staaten würde zudem dunkle industriepolitische Schattenseiten haben, weil die europäische Hersteller leer ausgingen.

Bereits die Meldung, dass die Luftwaffe in den Vereinigten Staaten Informationen über den F-35 angefordert hat, schreckte einige europäische Partner auf, allen voran die Franzosen. Der französische Hersteller Dassault Aviation könnte es niemals verstehen, wenn die Deutschen in den Vereinigten Staaten einkaufen würden, zumal in Europa mit dem Rafale von Dassault, dem Eurofighter und dem Gripen aus Schweden drei Kampfflugzeuge zur Verfügung stehen. „Dann soll man aufhören über ein Europa der Verteidigung zu reden“, sagte ein Dassault-Manager in Le Bourget. Der französische Hersteller würde liebend gerne seinen Rafale als Nachfolger des Tornados nach Deutschland liefern. Das französische Kampfflugzeug gilt als fähiges Verteidigungssystem, wie auch die Konkurrenten anerkennen, besonders seine Vielfältigkeit wird gerühmt. In jüngerer Vergangenheit gelang der Maschine eine Reihe von Exporterfolgen. So beherrscht der Rafale Luft-Bodenbekämpfung, Luftkampf, Aufklärung, Landung und Starts auf einem Flugzeugträger sowie die Nuklearbewaffnung. Eine Modernisierung des Militärjets ohne die Kosten einer kompletten Neuentwicklung sei jederzeit möglich, heißt es im Dassault-Konzern, der mit dem britischen Konkurrenten BAE auch die Kampfdrohne Neuron entwickelt.

Die Bundesregierung wünscht sich für die Tornado-Nachfolge ein System der „nächsten Generation“. Dazu könnte etwa eine Gruppe von Drohnen gehören, die ein pilotengesteuertes Flugzeug begleitet. Doch über Überlegungen ist man noch nicht hinausgekommen. Die deutsche Regierung könnte auch einfach mehr Eurofighter kaufen – in der heutigen oder in einer noch mal modernisierten Version. Die Franzosen bemängeln, dass der Eurofighter nicht die Mehrzweckfähigkeit des Rafale habe – eine Kritik, die das europäische Herstellerkonsortium erwartungsgemäß zurückweist. Der Eurofighter sei gut mit dem Einsatz der F-35 kompatibel, sagen seine Befürworter. Den amerikanischen Jet haben Nationen wie Großbritannien, Italien, Niederlande, Norwegen und Dänemark schon im Einsatz oder bestellt.