
Nach der Wahlniederlage der britischen Premierministerin May hat der Leitindex FTSE 100 rund ein Prozent zugelegt. Hierzulande schiebt die Wahl den Dax über 12.800 Punkte.
Der FTSE 100 hat am Freitag Theresa May deutlich zugelegt. Im frühen Handel stieg der britische Leitindex dank des schwachen Pfund um fast ein Prozent auf 7518 Punkte. Die Währung des Vereinigten Königreichs verbilligte sich um rund zwei amerikanische Cent auf 1,2668 Dollar.
Mit der aktuellen Situation eines „Hung Parliament“, eines Unterhauses ohne klare Mehrheit, habe die politische Unsicherheit in dem Vereinigten Königreich zwar spürbar zugenommen, schrieb Großbritannien-Experte Sören Hettler von der DZ Bank. Entsprechend deutlich sei auch das britischen Pfund unter Druck geraten. Dies wiederum stützte den Aktienmarkt, da eine schwache Landeswährung den Export ankurbeln könne.
May verlor mit ihrer konservativen Tory-Partei die Regierungsmehrheit im britischen Parlament. Weder die Konservativen noch die oppositionelle Labour-Partei hatten am Morgen eine Chance, mehr als die Hälfte der 650 Wahlkreise für sich zu gewinnen. Damit steht Großbritannien kurz vor Beginn der Brexit-Verhandlungen über einen EU-Austritt vor einer komplizierten und möglicherweise langwierigen Regierungsbildung.
„Briten haben harten Brexit abgewählt“
Hierzulande setzten die Anleger nach Mays Wahlniederlage scheinbar auf eine gütliche Einigung im Brexit-Streit. Hinzu kamen starke Signale aus der deutschen Wirtschaft. Der Dax überwand erstmals in der laufenden Woche die Marke von 12.800 Punkten, nachdem in den Tagen vor der britischen Wahl Zurückhaltung geherrscht hatte. Das Rekordhoch des deutschen Leitindex bei 12.878 Punkten aus der Vorwoche rückt nun wieder näher.
Der Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer hält eine Einigung mit Großbritannien bei den Brexit-Verhandlungen nun für wahrscheinlicher. Zwar sei völlig offen, wie die nächste britische Regierung aussehen werde und auch Neuwahlen seien möglich, sagte Krämer am Freitag. „Aber eines ist sicher: Der harte Brexit wurde gestern abgewählt“.
Zudem bleibt der deutsche Außenhandel eine Stütze für den Aufschwung. Im April waren die Exporte im Monatsvergleich stärker gestiegen als gedacht. Der M-Dax der mittelgroßen Unternehmen kletterte um 0,6 Prozent auf 25.305,2 Punkte. Der Technologiewerte-Index Tec-Dax stieg um 0,4 Prozent auf 2306,4 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex Euro Stoxx 50 stieg um 0,8 Prozent.
